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Wolfskinder
Wolfskinder
© Port au Prince Pictures GmbH

Kritik: Wolfskinder (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Wolfskinder" ist das Spielfilmdebüt von Rick Ostermann, der sich für diesen Film von Erzählungen und Erlebnissen seiner Mutter beeinflussen ließ. Wolfskinder bezeichnet solche Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg eltern- und heimatlos geworden und ins Baltikum geflüchtet sind, vor allem nach Lettland und Litauen. Hunger, Tiere, Krankheiten und die Rote Armee stellten dabei eine allgegenwärtige Gefahr dar. Nur wenige dieser Kinder überlebten folglich die gefährliche Reise. Der Film "Wolfskinder" widmet sich ganz diesem fast vergessenen, tragischen Kapitel der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte. Fast ausnahmslos mit Laiendarstellern besetzt, gelingt Regisseur Ostermann ein minimalistisches, bewegendes Drama inmitten einer bedrohlichen Natur, die in rohen, unmittelbaren Bildern eingefangen wird.

Es schadet nicht, sich ein wenig mit Geschichte und historischem Rahmenwissen zum Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit auszukennen, um "Wolfskinder" in den richtigen zeitlichen Kontext mit den damals vorherrschenden Umständen und Gegebenheiten, einstufen zu können. Denn Regisseur Ostermann verzichtet hier komplett auf jegliche einordnende Information über Texttafeln oder Einblendungen. Auch tauschen die Protagonisten fast keinerlei Informationen aus, die für den Zuschauer hilfreich sein könnten. Dieser Verzicht auf Information passt sehr gut zum reduzierten, minimalistischem Gesamtbild des Films, der äußerst dialogarm geraten ist. Denn über Worte lassen sich die Leiden und Gefahren, denen die heimatlosen Kinder ausgesetzt sind, nur unzureichend vermitteln.

Ostermann vermittelt Stimmungen und Emotionen stattdessen ausschließlich über Gestik und Mimik der bedingungslos der Natur ausgelieferten Kinder, die allesamt ihre Eltern verloren haben und sich ohne Schutz bis ins Baltikum kämpfen müssen. Dass die meisten der Wolfskinder dabei von unerfahrenen Laiendarstellern dargestellt werden, tut dem Film sehr gut, da er ihm ein zusätzliches Maß an Glaubwürdigkeit und Authentizität verleiht. Schonungslos leidet der Zuschauer von Beginn an mit den beiden Brüdern, aus deren Sicht die Geschehnisse geschildert werden. Die Kamera ist immer ganz dicht an Hans und Fritzchen dran und macht somit den harten Überlebenskampf der Beiden für den Zuschauer unmittelbar nachempfindbar. Dem Film gelingen darüber hinaus starke, nachdrückliche Bilder von der einsamen, rauen Natur, durch die sich die Kinder kämpfen müssen.

Fazit: Starkes, intensives Überlebensdrama über ein fast vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, mit authentisch agierenden Laiendarstellern besetzt und nachdrücklichen Naturbildern bestückt.




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