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Light Between the Oceans
Light Between the Oceans
© Constantin Film

Kritik: Light Between the Oceans (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der gleichnamige Roman von M. L. Stedman entwickelte sich 2012 zu einem der erfolgreichsten Bücher in seiner australischen Heimat. Schon kurz nach Erscheinen, sicherte sich DreamWorks die Rechte für eine Verfilmung. Mit Derek Cianfrance verfilmte den Stoff nun ein Regisseur, der vor allem durch seine beiden, von der Kritik gefeierten Dramen "Blue Valentine" (2010) und "The place beyond the pines" (2013) internationale Bekanntheit erlangte. Seine Weltpremiere feierte die 20-Millionen-Dollar-Produktion am 01. September beim Filmfestival in Venedig und ist mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz exquisit besetzt. Fassbender und die Schwedin Vikander verliebten sich während der Dreharbeiten ineinander. Vikander ("The Danish Girl", "Jason Bourne") zählt aktuell zu den gefragtesten Darstellerinnen der Welt, allein 2015 war sie in vier Kinoproduktionen zu sehen.

"The light between Oceans" ist ein episches, bildgewaltiges Drama, was sich nicht nur in der Laufzeit von 130 Minuten ausdrückt. Der Film ist grob gesplittet in drei Teile bzw. Handlungsabschnitte gegliedert, entwickelt seine Geschichte langsam sowie mit viel Geduld und ergeht sich in atmosphärischen, betörend schönen Landschafts- und Panorama-Aufnahmen. Regisseur Cianfrance, der sich mit leidenden Protagonisten und emotionalen Dramen (siehe "Blue Valentine") auskennt, erweist sich als der passende Regisseur. Schon in "The Place beyond the Pines", dessen Handlung sich ebenfalls über mehrere Jahrzehnte erstreckte, bewies er sein Händchen für vom Schicksal gebeutelte Personen, mit denen man als Zuschauer leidet.

Hier setzt Cianfrance noch eins drauf: oft innerhalb weniger Minuten geraten die Hauptpersonen von der größten Freude in tiefe emotionale Schieflagen und schier ausweglose Situationen. Unendliches Glück (z.B. nach dem Fund des Kindes) wechselt sich ab mit tiefster Depression und Entrüstung (z.B. wenn sich Tom dafür ausspricht, das Kind zurückzugeben). Eine Achterbahn der Gefühle durchleiden die Figuren und auch der Zuschauer muss Leidensfähigkeit unter Beweis stellen. Manchmal scheint es aber, der Film mag einfach nicht zu einem Ende gelangen. Dieser Umstand ist aber weniger Cianfrance aber vielmehr der ausladenden Buch-Vorlage geschuldet. Der Regisseur setzt die Story überzeugend für die Leinwand um, auch wenn der Film freilich nicht frei von Kitsch ist. Auf der Leinwand manifestiert sich dies vor allem durch die Optik bzw. die edle, erlesene Bildsprache. Die Bilder sind derart matt, weichgezeichnet und ohne auch nur den Anschein von Unreinheit oder Grobkörnigkeit, dass dies mitunter fast schon zu kontrastarm und perfekt anmutet.

Über jeden Zweifel erhaben sind aber die darstellerischen Leistungen. Alicia Vikander schildert die Wandlung ihrer Figur von der vom Schicksal gebeutelten und an zwei Fehlgeburten zerbrechenden jungen Frau, die nach der "Adoption" des Babys neuen Lebensmut entwickelt und regelrecht aufblüht, glaubhaft und nachvollziehbar. Michael Fassbenders Charakter ist etwas schwerer zu greifen, bei ihm weiß man nicht immer, woran man ist. Er ist ein stiller, nachdenklicher Melancholiker, der alles für das Glück seiner Frau tun würde, aber immer wieder auch um das Unrecht der Tat der Beiden weiß. Letztlich ist "The light between oceans" daher vor allem packendes, herzzerreißendes Schauspieler-Kino.

Fazit: Episches und hinsichtlich seiner Optik stilisiertes Edel-Drama mit einem großartig und jederzeit glaubhaft aufspielenden Schauspieler-Ensemble sowie erhabenen Landschafts-Aufnahmen.




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