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Kritik: High-Rise (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein futuristisches Hochhaus, in dem es wenig erbaulich zugeht, ist der Schauplatz dieses britischen Spielfilms von Regisseur Ben Wheatley ("Sightseers"). Basierend auf dem gleichnamigen Roman des renommierten Sci-Fi-Schriftstellers J.G. Ballard, schildert er, wie der soziale Kosmos im Inneren des Gebäudes zunehmend aus den Fugen gerät. Die Geschichte karikiert den Hedonismus der Siebzigerjahre genüsslich und spinnt ihn in surreale Dimensionen fort. Die Bewohner haben dem Verfall des Hochhauses, das sich aufgrund technischer Fehler rasch als moderne Architekturruine entpuppt, wenig entgegenzusetzen. Sie spiegeln ihn vielmehr mit Dekadenz und Enthemmung.

Als Robert in das Hochhaus einzieht, präsentiert es sich als Tempel innovativer Architektur. Wie in einem großen Hotel müssen die Bewohner weder nach draußen gehen, um einzukaufen, noch um Sport zu treiben, Massagen zu bekommen oder zu feiern. Die langen dunklen Korridore verfolgen Robert in seine Träume, wo er sie mit einer Gruppe Stewardessen durchtanzt. Von Anfang an aber gibt es Anzeichen, dass die Dinge aus dem Ruder laufen, zum Beispiel indem die Bewohner zu offen sagen, was sie denken. Ihr Schlingerkurs zwischen Distanz und Vertraulichkeit wirkt haltlos, schwer durchschaubar und erzeugt im Gespräch Irritationen. Permanent arbeitet der Film Bezüge zwischen der materiellen und der ideellen Ebene heraus. Das Penthouse der Royals verfügt über eine riesige Terrasse, die ein Grundstück auf dem Land simuliert, einschließlich Reitpferd. So abgehoben verhält sich das Ehepaar auch: Es schottet sich vom Pöbel, der auf den unteren Etagen haust, wo sich das Chaos zuerst ausbreitet, weitgehend ab. Je mehr in dem Haus, in dem alles möglich schien, kaputtgeht, desto stärker mischt sich Zerstörungslust in die gesellige Hochstimmung der Bewohner.

Tom Hiddleston spielt einen eleganten, reservierten Mann, dessen Haltung zum Teil immer auch die des Betrachters bleibt. So scheint er auch stets noch ein paar Asse im Ärmel zu haben. Die visuellen Reize dieses mondänen, anonymen Termitenbaus laden die Atmosphäre mit Spannung auf, aber der Schwenk ins Surreale, der auf der Handlungsebene schon früh erfolgt, lässt sich inhaltlich nicht mehr wirklich gewinnbringend weiterdrehen. Verfall, Party, Sex, Kampf, Blut, Müll: Die Geschichte mutiert zu einer Endlosschleife, mit deren gedanklichen Anregungen die Aufmerksamkeit nicht mehr ganz mithalten kann.

Fazit: Regisseur Ben Wheatleys filmische Adaption des gleichnamigen Romans von J.G. Ballard zeichnet genüsslich und in opulenten Bildern eine Hochhaus-Gemeinschaft, deren Hedonismus in dekadentes, surreales Chaos mündet. Hauptdarsteller Tom Hiddleston hält sich tapfer als Identifikationsfigur in dem dystopischen Ambiente, dessen optische Reize stärker überzeugen als die zu Wiederholungen neigende Handlung.





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