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Kritik: La La Land (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der zweite Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Damien Chazelle ("Whiplash") ist eine moderne, frische Hommage an die Musical- und Tanzfilme der Goldenen Ära Hollywoods. Die romantische Geschichte von Mia und Sebastian spielt im Los Angeles der Gegenwart, und weist sowohl klassische, als auch aktuelle Bezüge auf. Wie so viele vor ihnen hoffen die beiden angehenden Künstler auf den Durchbruch, lavieren zwischen Ideal und Kompromiss, Elan und Enttäuschung. Und stehen schließlich vor der Frage, ob sich Karriere und Beziehung überhaupt vereinbaren lassen. Das Spiel der Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling mündet immer wieder in beschwingte Gesangs- und Tanzeinlagen, die die Gefühle und Träume ihrer Charaktere besser ausdrücken als Worte. Mit seinem aufregenden Inszenierungsstil, der Leichtfüßigkeit mit Opulenz kombiniert, empfiehlt sich dieser atmosphärisch beeindruckende Film ganz besonders für die große Leinwand.

Auf dem Filmfest von Venedig wurde Emma Stone für ihr temperamentvolles Spiel 2016 als beste Darstellerin ausgezeichnet. Wenn sie mit Ryan Gosling Tanzschritte und Posen vollführt, die an Fred Astaire und Ginger Rogers oder an Musicals wie "Singin' in the Rain" erinnern, wird einem erst bewusst, wie innovativ, schwungvoll und zeitlos schön dieser Performancestil immer noch wirken kann. So erobert eine bezaubernde Retrostimmung die Leinwand und beweist, dass dynamisches, aufregendes Kino nicht unbedingt Action, schnelle Schnitte und verschachtelte Plots erfordert.

Wiederholt übernehmen wortlose Schnittfolgen das Erzählen, fesseln kühne Überblendungen die Aufmerksamkeit. Die Kamera bevorzugt fließende Bewegungen, umkreist die Protagonisten, lässt ihrem Übermut freien Lauf, schwenkt plötzlich hoch zu den Palmen vor blauem Himmel. Chazelle huldigt auch der Stadt der Träume selbst, etwa wenn Mia und Sebastian das aus Filmen bekannte Griffith Park Observatorium besuchen. Fast jede Einstellung schwelgt in üppigen Farben, die der Realität etwas herrlich Künstliches, Emotionales hinzufügen. Da wirkt es nicht lächerlich, wenn Mia und Sebastian einmal Hand in Hand vom Boden abheben, in Richtung Sternenhimmel schweben. Im Vergleich zum dynamisch-kreativen Inszenierungsstil bleiben Geschichte und Figurenzeichnung an sich relativ blass. Die Romantik ist eine sinnlich erzeugte Illusion, aber eine, die ungewöhnlichen Filmgenuss bietet.

Fazit: Mit seiner farbenprächtigen, beschwingten Hommage an die Ära klassischer Musicalfilme beweist Regisseur Damien Chazelle nach "Whiplash" erneut große Ausdruckskraft, Originalität und Stilwillen. Emma Stone und Ryan Gosling meistern mit ihren Gesangs- und Tanzeinlagen einen aufregenden Spagat zwischen Retrostil und frischer, jung wirkender Dynamik. Wenn das romantische Künstlerpaar, das sie spielen, nach den Sternen greift, feiert auch die visuelle Gestaltung das beinahe unwirkliche Hochgefühl, das so viele mit der kalifornischen Stadt der Träume verbinden.




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