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Kritik: Der Nanny (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auch in seiner vierten Regiearbeit spielt Matthias Schweighöfer selbst eine Hauptrolle, diesmal als Witwer und alleinerziehender Vater zweier Teufelsbraten. Milan Peschel übernimmt die zu diesem Charakter antagonistisch angelegte Titelrolle eines wahren Gemütsmenschen. Im Schloss, in dem der jungdynamische Bauunternehmer Clemens wohnt, lassen die beiden Kinder ihren Frust über emotionale Vernachlässigung immer an ihren Nannys aus. Auch der von Peschel gespielte Rolf hat einen schlechten Einstand: Die auf Streiche spezialisierte Tochter Winnie sorgt dafür, dass er Papas roten Ferrari in den Fischteich versenkt. Weil Rolf aber ein herzensguter Kerl ist, freut ihn der Schaden nicht – obwohl Clemens schuld daran ist, dass er und andere Menschen mit wenig Geld ihre Wohnungen verlieren.

Das Drehbuch von Lucy Astner hat einen internationalen Einschlag, denn manche Personen besitzen englische Namen und die Kinder tragen Schuluniformen wie in einem britischen Internat. Auch das Schloss, in dem sie leben, würde man eher auf dem englischen Land lokalisieren, als in Deutschland. Aber unter den Kiez-Bewohnern, die Clemens aus ihren ärmlichen Mietswohnungen vertreiben will, sind dann wieder typisch deutsche Eckkneipen-Stammgäste. Die deftige Komödie setzt auf starke Kontraste, etwa das kalte Milieu der reichen Unternehmer und die menschliche Gemeinschaft der sozial Benachteiligten, zu denen Rolf gehört. Rolf hat keine Erfahrung mit Kindern, aber ein offenes Ohr für die Nöte von Theo und Winnie. Letztere gibt sich die meiste Zeit herrlich biestig und kratzbürstig – eine der am besten ausgearbeiteten Rollen im Film, sehr ernst und wirkungsvoll gespielt von Paula Hartmann.

Frauenschwarm Matthias Schweighöfer hat in diesem Film einige schwere Prüfungen zu absolvieren: Mal plagt ihn schrecklicher Durst, dann irritiert ihn ein Tintenfisch, schließlich fällt er ins Wasser. Clemens' Wandel vom emotionsarmen Businessman zum liebenden Vater wirkt nicht sehr glaubhaft, während Milan Peschel als Mann mit Herz und Skrupel überzeugt. Die Dialoge, vor allem die ätzenden Kommentare Winnies, trumpfen mit frechem Biss auf. Es gibt auch spannungsgeladene Action, wie am Anfang, als Rolf in einer starken Szene von einer Abrissbirne überrascht wird, die mit vollem Schwung in seine Wohnung kracht. Das komödiantische Timing bleibt eher durchwachsen, denn auf überzeugende Passagen folgen unmotivierte Szenen wie jene, in der sich eine Unternehmerin an Clemens heranschmeißt. Auch den Gegensatz zwischen dem ruppigen Humor und dem mild-versöhnlichen Einfluss, den Nanny Rolf ausübt, löst die Komödie nicht wirklich geschmeidig auf.

Fazit: Matthias Schweighöfer inszeniert sich selbst als gehetzter Geschäftsmann, der seine biestigen Kinder bei einer männlichen Nanny parkt. Die auf starke Kontraste und frechen bis grellen Humor setzende Komödie wirkt nur teilweise inspiriert, verfügt aber über gute Kinderrollen und flotte Passagen mit gelungenem Timing.





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