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Kritik: Pride (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Pride" ist der neue Film des vor allem durch Musicals und Theater-Inszenierungen bekannt gewordenen britischen Regisseurs Matthew Warchus, der seine Deutschland-Premiere auf dem diesjährigen Filmfest Hamburg erlebte und in Cannes in diesem Jahr bereits mit dem "Queer Palm Award" ausgezeichnet wurde. Die mit typisch britischem Humor unterfütterte Komödie beruht auf wahren Ereignissen, die sich im Jahre 1984 während der Hochphase der konservativen Thatcher-Regentschaft in England ereigneten. Thatchers "eiserne" Politik war gefürchtet und zeichnete sich u.a. durch die Privatisierung von Staatsunternehmen und eine ultrakonservative Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik aus. Dagegen lehnten sich die Bergarbeiter auf und legten fast ein ganzes Jahr lang die Arbeit nieder.

Unerwartete Unterstützung fanden die "Miners" in der "Lesbians and Gays Support the Miners"-Initiative, einer Gruppe Homosexueller, die sich auf die Seite der Streikenden schlug und für deren Rechte kämpfte. Regisseur Warchus zeigt dieses gemeinsame Engagement der Aktivisten-Gruppen als schwarzhumorige, mit zynischen und messerscharfen Dialogen angereicherte Komödie, die auch ernste, wichtige Themen der damaligen Zeit anspricht und darüber hinaus ein brillantes Ensemble bietet.

Dass die Politik Thatchers umstritten war, ist nichts neues und auch der 1984 abgehaltene Streik der Minenarbeiter bildete schon häufiger den thematischen Grundriss einiger Filme (z.B. "Billy Elliott"). Neu hingegen ist, dass ein Film die ungewöhnliche Zusammenarbeit zweier Gruppierungen zeigt, deren Ziel das Ende der Unterdrückung und der Kampf für mehr Courage und gegenseitige Solidarität war. "Pride" tut dies auf herrlich komische Weise, ohne dabei den Respekt und die Haltung vor seinen bemerkenswerten Hauptfiguren und verschiedenen Charakteren zu verlieren. Vordergründig scheinen Bergarbeiter und Homosexuelle nicht allzu viel gemeinsam zu haben, doch bei genauerer Betrachtung fällt auf: beide Gruppen fühlen sich benachteiligt, unterdrückt und in ihren Rechten beschnitten. Einer der homosexuellen Kämpfer bringt es mit den Worten "Diese Bergarbeiter werden ganz genauso schikaniert wie wir" auf den Punkt.

Neben seinen spitzfindigen und an Wortwitz reichen Dialogen ist es eine der größten Stärken des Films, wie er eine ganze Reihe an Klischees und Vorteilen aufgreift, damit spielt und diese genüsslich durch den Kakao zieht (etwa die ebenso lächerliche wie landläufige Auffassung, alle Lesben würden sich rein vegetarisch ernähren). Für den Film spricht auch, dass er einige der zur damaligen Zeit hochaktuellen Problemfelder und Thematiken aufgreift, die für die beiden Aktivisten-Gruppen von erheblicher Bedeutung waren (AIDS, Thatchers politische Schwächung von Gewerkschaften aller Art etc.). Das authentisch aufspielende und perfekt harmonierend Ensemble (u.a. Bill Nighy, Imelda Staunton und Dominic West) ist ein weiterer Grund, sich diese hochklassige Komödie nicht entgehen zu lassen.

Fazit: Glänzend gespielte, mit messerscharfen Dialogen und viel Wortwitz ausgestattete Komödie über die irrwitzige aber wahre Kollaboration zweier Gruppierungen von Aktivisten im England der 80er-Jahre.




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