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Kritik: Desaster (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die schwarzhumorige Gangsterkomödie ist nach "Bis zum Ellenbogen" aus dem Jahr 2007 der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Justus von Dohnányi. Der Schauspieler übernimmt auch eine Rolle an der Seite seiner Kollegen Jan Josef Liefers und Stefan Kurt, die er vom Hamburger Thalia Theater kennt und die schon in seinem ersten Film mitwirkten. Auf die Idee zu dieser klamaukigen Komödie brachte ihn die wahre Geschichte eines Einbrechers, der über den Kamin in ein spanisches Ferienhaus einsteigen wollte und dort stecken blieb. Der Titel ist für die Handlung Programm, denn ein Missgeschick jagt das nächste und die Verwicklungen fordern ein Opfer nach dem anderen.

Die Darsteller scheinen jedenfalls viel Spaß bei diesem Dreh gehabt zu haben. Die Charaktere sind in zwei soziale Lager geteilt – der Staatsanwalt und Mischas Mutter gehören zu den Kultivierten, Arrivierten, die es sich in der Villa an der südfranzösischen Küste gutgehen lassen. Seltsamerweise gehört Mischa selbst wiederum zum Typ folternder Gangster – eine völlig krude, brutale Figur. Und auch die fürs Grobe zuständigen Profikiller Ed und Mace sind nicht wirklich vom gleichen Schlag, denn Mace hatte es fast zu einem Titel in Philosophie gebracht, während Ed sagt: "Ich trink gern, ich fick gern und ich hab Angst vor meiner Mutter." Dohnányi spielt Ed als ziemlich urigen Typen, während Liefers als Mace auf seinen gewohnten, schnippisch-besserwisserischen Tonfall verzichten muss und eher blass ausfällt. Stefan Kurts Würsch neigt bei erhöhtem Stress dazu, in kaum verständliches Schwyzerdütsch zu verfallen und noch lustiger, im Extremfall etwas aus Wilhelm-Busch-Geschichten zu stammeln.

Es gibt auch eine Art Femme fatale, Lydia, aber generell meint es der Film nicht gut mit dem weiblichen Geschlecht. Den absoluten Tiefpunkt in Sachen Geist und Humor bildet die Art und Weise, wie Ed den Status-Unterschied zwischen den Geschlechtern beschreibt: Hat der Mann einen Schlüssel, der in jedes Schloss passt, dann ist es ein Generalschlüssel, hat die Frau aber ein Schloss, in das jeder Schlüssel passt, dann ist es billig. Es passiert außerdem immer wieder etwas Skurriles, denn die Profikiller haben jede Menge Gadgets, die zum Einsatz gebracht werden müssen – und sei es auch nur dem arglosen Paketboten gegenüber. Der französischen Riviera ist das egal – die Sonne scheint unverdrossen über der malerischen Küste und denkt sich vielleicht, diese deutschen Spaßvögel mit ihrem Film sind nichts als eine kurze Eintrübung der Atmosphäre, zu vergänglich, als dass das Wetteramt sie überhaupt registriert.

Fazit: Justus von Dohnányis schwarze Gangsterkomödie stolpert von Klamauk zu Kalauer und bietet trotz südfranzösischer Kulisse und gut aufgelegten Darstellern wenig Anlass zu Freude, denn der Inhalt wirkt zu zerfahren und überdreht.





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