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Kong: Skull Island
Kong: Skull Island
© Warner Bros.

Kritik: Kong: Skull Island (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Während die klassische King-Kong-Geschichte davon erzählt, wie der Riesenaffe aus seinem wilden Lebensraum in die Zivilisation gebracht wird, wählt Independent-Regisseur Jordan Vogt-Roberts ("Kings of Summer") in seiner Neuauflage einen anderen Ansatz. Auch hier verschlägt es einige Menschen auf eine geheimnisvolle Insel. Im Gegensatz zum Ursprungsmythos wird der gigantische Gorilla jedoch nicht eingefangen und verschleppt. Vielmehr dreht sich in "Kong: Skull Island", dem zweiten Teil des sogenannten "MonsterVerse", einer Monsterfilmreihe, die mit dem "Godzilla"-Reboot von 2014 begann, alles um die Frage, wie die Teilnehmer der Erkundungsreise das unerforschte Gelände wieder heil verlassen können. Der Regisseur und seine Drehbuchautoren entrollen einen simpel gestrickten Überlebensplot, der nur sporadisch mit Überraschungen aufwarten kann. Etwa dann, wenn uns mit dem Soldaten Hank Marlow (John C. Reilly) ein Robinson-Crusoe-Verschnitt gegenübertritt, der während des Zweiten Weltkriegs auf dem Eiland gestrandet ist und seitdem in der Wildnis haust. Den Neuankömmlingen steht er mit seinem Inselwissen zur Seite und dient zudem als komischer Sidekick, da er die Entwicklungen in der restlichen Welt seit seiner unfreiwilligen Landung im pazifischen Nirgendwo verpasst hat.

Marlow ist eine der wenigen Figuren, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, was man bedauern muss. Immerhin konnten die Macher für ihre King-Kong-Revision eine beachtliche Darstellerriege gewinnen. Stars wie John Goodman in der Rolle eines umtriebigen Wissenschaftlers und Tom Hiddleston als erfahrener Fährtenleser bekommen leider nicht ausreichend Raum, um ihre Qualitäten richtig auszuspielen. In den meisten Fällen haben wir es mit Stereotypen zu tun, die allenfalls rudimentäre Hintergrundgeschichten erhalten und nicht selten als Kanonenfutter enden. Eindimensional erscheint auch der von Samuel L. Jackson verkörperte Lieutenant Colonel Packard, dem der "Pulp Fiction"-Mime jedoch eine bedrohlich-unberechenbare Ausstrahlung verleihen kann. Oscar-Preisträgerin Brie Larson ist als mutige Fotografin zu sehen, die zwar ebenfalls kein eindrucksvolles Profil bekommt, aber zumindest nicht in der Rolle eines hilflosen Opfers versauert. Vielmehr gelingt es der jungen Frau, ein Vertrauensverhältnis zu King Kong aufzubauen. Und auch im Showdown präsentiert sie sich aktiv. Verwunderlich und zweifelhaft ist in jedem Fall die Zeichnung der Ureinwohner von Skull Island, die kein einziges Wort sprechen dürfen. Vermuten würde man eine solch unreflektierte Darstellung in einem Abenteuerfilm aus längst vergangenen Zeiten, nicht aber in einem Blockbuster von 2017.

Dass "Kong: Skull Island" nicht zu einem Ärgernis verkommt, liegt unter anderem an den interessanten Bezügen und Anspielungen, die Vogt-Roberts in den Überlebenskampf einstreut. Schon der Trailer ließ erahnen, dass sich die Macher besonders vor Francis Ford Coppolas Klassiker "Apocalypse Now" verbeugen. Der Hubschrauberanflug auf die Insel, das Umherirren in einer unwegsamen Dschungellandschaft und Packards fanatisch-rachsüchtiges Gebaren lassen an die düstere Kriegsparabel denken, die den Schrecken des Vietnamkriegs einfängt. Jenes Konfliktes, aus dem sich in der King-Kong-Neuinterpretation die US-Truppen im Jahr 1973 zurückziehen, was dem Lieutenant nicht recht schmecken mag.

Zerstörung und selbstherrliches Denken tragen er und die anderen Expeditionsteilnehmer auf die mysteriöse Insel, die bei ihrer Ankunft gleich mit einem Bombenteppich überzogen wird. Angesichts dieser grausamen Begrüßung ist es nur verständlich, dass der Riesenaffe sein Revier rigoros verteidigt und die in sein Hoheitsgebiet eindringenden Helikopter kurzerhand vom Himmel holt. Die erste von mehreren spektakulären Actionsequenzen, in denen der Film digitale Stärke demonstriert. Kong und auch die später auftauchenden tödlichen Kreaturen sind bestechend animiert. So, wie man es sich in einem hoch budgetierten Monsterabenteuer wünscht. Überwältigende Landschaftsbilder und eindrücklich ästhetisierte Passagen wie das Durchschreiten eines urzeitlichen Massengrabs, in dem grüner Nebel umherwabert, liefern reichlich Futter für die Augen. Hätte man dem optisch überwältigenden Streifen eine etwas raffiniertere Handlung und differenziertere Figuren verpasst, wäre sicherlich mehr drin gewesen als eine 3-Sterne-Wertung, die in diesem Fall für leicht überdurchschnittliche Popcorn-Unterhaltung steht. Allen Kinogängern sei dringend empfohlen, den ganzen Abspann abzuwarten, da im Anschluss noch eine Szene folgt, die einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des "MonsterVerse" gibt.

Fazit: Visuell berauschendes Monster-Spektakel mit "Apocalypse Now"-Anleihen und starken Actionabschnitten, die allerdings nicht über flache Figuren und eine dünne Handlung hinwegtäuschen können.





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