VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Geschichte vom Astronauten
Die Geschichte vom Astronauten
© Godehard Giese

Kritik: Die Geschichte vom Astronauten (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Die Geschichte vom Astronauten" – das Drehbuch-, Regie- und Produktionsdebüt des Schauspielers Godehard Giese ("Im Sommer wohnt er unten") – ist ein Werk, bei dem sich das genaue Hinsehen und -hören lohnt: ein Film der subtilen Bilder und Töne, der eine beeindruckende atmosphärische Kraft gewinnt. Das Meer, der Strand und die Küstenumgebung erhalten in den Aufnahmen des Kameramanns Eric Ferranti eine geheimnisvolle Aura; einige Passagen – etwa wenn ein bis dato fremder Mann in der Unschärfe langsam den Wellen entsteigt und sich auf die Protagonistin Charlotte zubewegt – sind kleine kinematografische Meisterstücke, die im positiven Sinne irritieren.

Ob hier das Leben den Stoff für die Kunst liefert oder Charlotte als Künstlerin ihre Vorstellungen auf die Außenwelt projiziert, hält Giese gekonnt in der Schwebe. Das Motiv des Wartens – auf die unwahrscheinliche Rückkehr eines geliebten Menschen, auf die womöglich niemals eintretende Heilung tiefer seelischer Wunden, auf einen Zustand, der als besser, als irgendwie "richtig" empfunden wird – behandelt das Drehbuch auf reizvolle Weise, gerade dadurch, dass die Gewissheiten über Raum und Zeit, Wahrheit und Fiktion und, nicht zuletzt, über die Identitäten aller beteiligten Figuren nach und nach verschwinden.

Stephanie Petrowitz spielt die Hauptrolle angenehm zurückhaltend; die Schriftstellerin Charlotte ist in erster Linie eine Beobachterin. Zu den schönsten Stellen zählen die Interaktionen zwischen Petrowitz und der jungen Svana Burger, die als trauernde, eigenwillige Nachbarstochter eine starke Performance gibt. Ebenfalls herausragend sind zwei Tanzszenen – einmal zwischen Petrowitz und Ruth Diehl als Gastgeberin Renate, einmal zwischen Petrowitz und Hubertus Hiess als Renates Liebhaber –, bei denen die Auswahl der beschwingten Musik einen interessanten Kontrast zur Ruhe des restlichen Films bildet.

Fazit: Godehard Giese hat sich dem alten Motiv des Wartens in einem vielschichtigen Werk gewidmet – und dabei nachwirkende Momente geschaffen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.