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Kritik: Die Sprache des Herzens (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Die Sprache des Herzens" ist der 13. abendfüllende Spielfilm des französischen Regisseurs und Drehbuchautors Jean-Pierre Améries, der hier eine tatsächliche Begebenheit verfilmt, die sich im späten 19. Jahrhundert in Frankreich zutrug und damals für viel Aufregung sorgte. Das Hindurchdringen zu einem völlig taubstummen Mädchen galt in der damaligen Zeit als Sensation, waren die medizinischen und therapeutischen Mittel bzw. Möglichkeiten für solche "Härtefälle" damals doch noch extrem begrenzt. "Die Sprache des Herzens" wurde 2014 in Locarno mit dem "Variety Piazza Grande Award" bedacht. Regisseur Améries gelingt intensives, mitreißendes Gefühlskino der kleinen Gesten und großen Momente. Für Freunde emotionaler Dramen ein Muss.

"Die Sprache des Herzens" und die darin erzähle, fast unglaubliche Geschichte gehen zu Herzen und bewegen zutiefst. Dies liegt vor allem an den beiden beachtlichen, starken Frauenfiguren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber die sich doch so sehr füreinander einsetzen. Da ist zuerst die resolute, hochmotivierte Ordensschwester Marguerite, die sich des hilflosen Mädchens annimmt und versucht, sie aus ihrem inneren Gefängnis zu befreien. Wie sie sich fortan daran macht, dieser "kleinen, eingesperrten Seele" zu helfen ist berührend und an Intensität kaum zu überbieten. "Wie verständigt man sich mit jemandem, der so gefangen ist Dunkelheit und Stille?" Genau das ist die alle entscheidende Frage, die sich die Nonne stellt.

Um dem Mädchen Kommunikation zu vermitteln, entwickelt sie ausgefallene aber brillante Ideen und Strategien: von der ersten Kontaktaufnahme durch zarte Berührungen über den Versuch, Marie die Natur und die sie umgebende Umwelt durch Fühlen und Ertasten näher zu bringen bis hin zu (zunächst) einfacher, primitiver Gebärdensprache (das erste Wort, das sie lernt ist "Messer"). Und dann ist da dieses schwache, verlorene Mädchen, dass sich von Eltern und den anderen Schwestern im Stich gelassen fühlt, eine "verlorene Seele". Marie beginnt jedoch allmählich, mit zunehmendem Kommunikations-Erfolg, sich zu öffnen und über sich hinauszuwachsen. Am Ende verkehren sich die Rollen: dann ist es an Marie, der sterbenskranken Lehrerin und Vertrauensperson Marguerite zur Seite zu stehen. Es ist dabei schwer zu sagen, welche der beiden Hauptdarstellerinnen die einnehmendere, packendere Leistung erbringt. Beide - die tatsächlich taube Ariana Rivoire und Isabelle Carré - bieten erhabene, nachdrückliche Schauspielkunst auf Weltniveau.

Fazit: Berührende Geschichte über ein blindes und gehörloses Mädchen, die so unglaublich wie ergreifend ist und durch famose Schauspielleistungen besticht.




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