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Kritik: Deepwater Horizon (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Jeder dürfte die Bilder ölverschmierter und qualvoll verendeter Tiere noch präsent haben, die ab Frühjahr 2010 vermehrt in Presse und Nachrichten zu sehen waren. Opfer eines verheerenden Unglücks auf der im Golf von Mexiko gelegenen Plattform Deepwater Horizon, deren Tiefsee-Bohrungen zu einem gigantischen Blowout führten. Eine Fontäne aus Schlamm, Öl und Gas schoss am 20. April vor sechs Jahren unter enormem Druck an die Oberfläche und verwandelte die hochmoderne Anlage in ein Flammenmeer. Elf Arbeiter verloren bei dem Unfall ihr Leben. Und das über mehrere Monate aus dem Bohrloch strömende Öl verursachte eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der USA.

Reichlich Stoff für einen hochdramatischen Kinofilm, wobei sich Actionspezialist Peter Berg auf die Stunden vor und nach dem Super-GAU konzentriert. Langzeitfolgen werden in "Deepwater Horizon" kurz angerissen, allerdings nicht weiter ausgeführt, weshalb man einen simpel gestrickten, dafür aber recht intensiven Katastrophenstreifen erwarten sollte. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der real existierende Cheftechniker Mike Williams, den Hollywood-Mime Mark Wahlberg glaubhaft als gewissenhaft-zupackenden Malocher spielt. Ein Alltagsheld, der in einer Extremsituation einzig und allein seinem Überlebensinstinkt folgt. Stilisierte der Regisseur den von Wahlberg dargestellten Soldaten im Kriegsfilm "Lone Survivor" noch zu einer Märtyrerfigur, hält er sich dieses Mal etwas mehr zurück, auch wenn das letzte Drittel nicht mit pathetischen Gesten und filmästhetischen Ovationen – etwa exzessivem Zeitlupeneinsatz – geizt.

Mikes familiären Hintergrund greifen die Macher am Anfang auf, verleihen ihrem Protagonisten dadurch aber keine sonderlich einprägsamen Facetten. Zu routiniert entfalten sich die Abschiedsszenen, als dass starke Emotionen aufkommen könnten. Ähnlich verhält es sich mit den Reaktionen von Ehefrau Felicia Williams (Kate Hudson), als sie begreift, dass auf der Plattform etwas Schreckliches passiert ist. Was uns bewegen und ergreifen soll, will einfach nicht verfangen, da die Momente, die ihre Verunsicherung und Verzweiflung zeigen, bloß hastig eingeschoben werden. Grob geschnitzt ist der Film auch dann, wenn er den BP-Manager Donald Vidrine anderen Menschen auf der Bohranlage gegenüberstellt. Während Mike und Projektleiter Jimmy Harrell (Kurt Russell) ehrliche Arbeiterseelen verkörpern, wird der Konzernvertreter als ungeduldiger Profitmensch beschrieben, der die Warnungen der Experten leichtfertig in den Wind schlägt. Dass Vidrine nicht zu einem langweiligen 08/15-Antagonisten verkommt, ist Charakterkopf John Malkovich zu verdanken, der seine Rolle etwas differenzierter gestaltet, als es das Drehbuch vorsieht.

Überzeugend fängt "Deepwater Horizon" die Atmosphäre und das Wirken auf der mit großem Aufwand nachgebauten Ölplattform ein und scheut sich in diesem Zusammenhang nicht, den Zuschauer immer wieder mit Fachvokabular zu konfrontieren. Schmerzlich authentisch gerät schließlich das Inferno, bei dem Berg und seine Crew ihr handwerkliches Können unter Beweis stellen. Verwackelte Handkamerabilder, starke Spezialeffekte und ein ohrenbetäubendes Sounddesign tragen das Chaos und die Panik von der Leinwand in den Kinosaal. Derart eindringlich, dass man manchmal glaubt, selbst mitten im Getümmel zu stehen und um sein Leben kämpfen zu müssen.

Fazit: Inszenatorisch gelungen, erzählerisch aber nicht sehr tiefschürfend. "Deepwater Horizon" bietet gradlinig-wuchtiges Katastrophenkino, das die Stunden vor und nach dem schweren Unglück auf der titelgebenden Ölplattform skizziert.




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