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Awake - Das Leben von Yogananda
Awake - Das Leben von Yogananda
© mindjazz pictures

Kritik: Awake - Das Leben von Yogananda (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Paola di Florio und Lisa Leeman lässt Swami Yogananda häufig selbst zu Wort kommen. Die Stimme eines Erzählers aus dem Off liest aus den Schriften des indischen Meditationslehrers, der eine völlig neue Weisheit in das Amerika der Goldenen Zwanziger brachte: Wer die Energie von Körper und Geist durch Selbstversenkung entdeckt, tritt in Verbindung mit dem göttlichen Leben. Lange vor der Flower-Power-Ära und dem Aufbruch der Hippies nach Indien fanden die Lehren Yoganandas in Amerika und Westeuropa große Aufmerksamkeit. Dem spirituellen Meister ging es um Erkenntnisse, die nicht nur aus dem Kopf, sondern auch aus dem Herzen stammen. Deshalb transportiert auch dieses Porträt seine Aussagen auf mehreren Wegen: Es verbindet Statements von Anhängern, Wissenschaftlern und von Zeitgenossen mit Archivbildern, mit stummen Reenactement-Szenen und mit Impressionen, welche zu Zitaten aus Yoganandas Schriften die Sinne ansprechen. Wenn im Abspann George Harrisons "Give me Love" erklingt, wirkt das Lied wie ein zärtlicher Beweis, dass der Geist des Meisters in der Welt angekommen ist.

Der Film rekapituliert die Stationen im Leben Yoganandas vor dem Hintergrund der Geschichte seiner Zeit: Der Swami erlebte in Amerika noch die Rassentrennung, als er später seine Autobiografie schrieb, fielen die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Zu entsprechenden Archivbildern fügt der Film jedoch auch von Anfang an eine andere Ebene hinzu, die Yoganandas innerem Weg, seinen Träumen und Eingebungen folgt. Überblendungen und der stete Wechsel von Zeitdokumenten mit assoziativen Aufnahmen von Landschaften, Zugfahrten oder dem Spiel des Lichts schaffen eine sanft fließende, nostalgisch-andächtige Atmosphäre. Der Film wahrt aber die nötige Distanz und belässt es bei einer suchenden Betrachtung, die nicht in kitschige Verehrung kippt.

Für weitere Auflockerung und Vielfalt sorgen die Aussagen Dritter, die Yoganandas Lehren interpretieren oder mit Erkenntnissen aus der modernen Wissenschaft in Verbindung setzen. Ein amerikanischer Neurotheologe verweist darauf, dass tiefe Meditation die Hirnaktivitäten nachweislich verändert. In Archivaufnahmen kommen auch der 2012 verstorbene Musiker Ravi Shankar und George Harrison, der schon 2001 starb, zu Wort. Der liebevoll und reichhaltig gestaltete Film ist nicht nur eine schöne Hommage an diesen unaufdringlichen spirituellen Missionar des Westens, sondern macht auch Lust, zu meditieren.

Fazit: Der Dokumentarfilm über Swami Yogananda, der in den 1920er Jahren nach Amerika ging, um als erster Inder landesweit Vorträge über Meditation und Spiritualität zu halten, ist eine liebevoll gestaltete, aufschlussreiche Hommage an den berühmten Guru. Die den Kopf und das Gefühl ansprechende Inszenierung und die Aussagen von Anhängern und Wissenschaftlern verweisen auf die Aktualität seiner Lehre alter östlicher Konzentrationstechniken.





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