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Kritik: Bastille Day (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit seinen bisherigen Regiearbeiten "Eden Lake" und "Die Frau in Schwarz" konnte sich der Brite James Watkins als kompetenter Genre-Handwerker etablieren. In seinem Debütwerk spielte er auf wirkungsvolle Weise mit den Mustern des Backwood-Horrors, während er seinen zweiten Spielfilm in eine klassische Gruselstimmung tauchte. Der Eurokracher "Bastille Day" markiert nun den Übergang zum Actionkino und steht – laut Regisseur – in der Tradition der Großstadtthriller des New Hollywood. Antihelden wie Popeye Doyle und Dirty Harry standen Pate für den kernigen CIA-Agenten Sean Briar, den James-Bond-Kandidat Idris Elba mit Charisma und Durchschlagskraft verkörpert. Ein Mann, der sich nicht an Regeln hält und gerne zynische Bemerkungen zum Besten gibt.

Ihm zur Seite steht mit dem Trickganoven Michael Mason (Richard Madden) eine klassische Hitchcock-Figur, die, ohne es zu wissen, in eine große Verschwörung schlittert und sich von falschen Beschuldigungen freimachen muss. Briar und Mason bilden ein halbwegs überzeugendes Gespann, auch wenn die markigen Sprüche, die ihre Zusammenarbeit begleiten, mitunter etwas ermüdend sind. Als umsichtiger Regisseur erweist sich Watkins vor allem in den dynamischen, handgemachten Actionszenen, die den Schauplatz Paris gezielt zur Spannungssteigerung nutzen. Etwa dann, als Briar den panisch flüchtenden Mason über die Dächer der Seine-Metropole verfolgt.

Thematisch befindet sich "Bastille Day", der noch vor den Pariser Terroranschlägen entstand, am Puls der Zeit, da er diverse Probleme und gesellschaftliche Befindlichkeiten aufgreift. Das Misstrauen gegenüber den Muslimen, Polizeigewalt und Propagandavideos, die sich im Internet verbreiten, sind nur einige Aspekte, die das von Watkins und Andrew Baldwin verfasste Drehbuch abhandelt. In die Tiefe geht der Thriller dabei freilich nicht. Vielmehr begnügen sich die Macher mit Stichworten und plakativen Bildern, die im Showdown den Hintergrund für ein nur wenig glaubwürdiges Aufruhr-Szenario am französischen Nationalfeiertag liefern. Der schnell getaktete Plot hat kleinere Überraschungen zu bieten, ist von einer wirklich cleveren Konstruktion aber ein gutes Stück entfernt.

Den Frauenfiguren schenkt der Film, wie es im Actiongenre leider noch immer gang und gäbe ist, nur wenig Aufmerksamkeit, sodass selbst fähige Darstellerinnen wie Kelly Reilly, die Briars Vorgesetzte spielt, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Nervig sind zudem der etwas penetrante Hip-Hop-Sound, der manchmal über der Bildern liegt, und das einmal mehr bemühte Klischee des waffenschwingenden US-Amerikaners, der als Einziger im Stande ist, richtig aufzuräumen. Schwächen, die deutlich machen, wo "Bastille Day" verortet ist: im Genre-Mittelmaß.

Fazit: Handwerklich überzeugender, erzählerisch aber unausgereifter Actionthriller, der vor dem Hintergrund der Terroranschläge von Paris eine hochaktuelle Brisanz besitzt.




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