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Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft
Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft
© Sony Pictures

Kritik: Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im gleichnamigen Kinderroman von Sabine Ludwig ärgert sich ein Junge so sehr über seine strenge Lehrerin, dass er sie, ohne zu wissen, wie das geschieht, in eine Zwergengestalt verwandelt. Darüber ist er dann sehr erschrocken und natürlich will er das Malheur wieder rückgängig machen, aber er weiß ja nicht, wie. Die neue Erfahrung gibt der Lehrerin Gelegenheit, den Schüler, auf den sie angewiesen ist, näher kennenzulernen und auch besser zu verstehen. In der Filmversion wird aus diesem Stoff unter der Regie von Sven Unterwaldt eine kräftig aufgemotzte Geschichte. Das Drehbuch von Gerrit Hermans verwendet viele Zutaten, die in einem zeitgemäßen Kinder-Abenteuer offenbar nicht fehlen dürfen: Ein bisschen Fantasy mit einem Schulgeist, ein aufregendes Detektivspiel, aber auch die Einbindung von Problemen wie dem elterlichen Spagat zwischen Familie und Beruf oder dem schulischen Umgang mit sozialer Ungleichheit.

Über alldem könnte das Hauptthema, nämlich die Beziehung zwischen dem Jungen und der Lehrerin, leicht aus den Augen verloren werden. Ein wenig schade ist es schon, dass sich der Film nicht traut, das Problem einer schlechten, verständnislosen Pädagogik, die ausgrenzt, anstatt zu fördern, mit mehr Biss auf den Punkt zu bringen. Hier wird es mehr umkreist, mit ganz viel weiteren inhaltlichen Schnipseln wie mit Konfetti beworfen, aber schließlich, wie durch Zauberhand, mündet das Ganze doch noch in die geglückte Botschaft, dass guter Unterricht Spaß machen soll.

Dass der Film nicht in Beliebigkeit versinkt, hat er vor allem seinen köstlichen Einfällen in Bezug auf die geschrumpfte Direktorin zu verdanken. Wie verstaut man ein so kleines Wesen, was bekommt es zu essen und wie verhüllt es seine Blöße, wenn die Klamotten mal schnell gewaschen werden müssen? Schmitti, wie die Direktorin unter den Kindern genannt wird, muss erkennen, dass sie mit ihren Prinzipien allein nicht weiterkommt. Eine neue Lage erfordert Kompromisse. Anja Kling spielt diesen Konflikt sehr witzig und auch die Kinderdarsteller sind augenscheinlich mit Vergnügen bei der Sache. Gerade das ideenreiche Spiel mit dem Größenverhältnis zeigt, dass der hübsche Film das Potenzial zu mehr Originalität gehabt hätte, aber er konnte ja nicht auf die unnötigen Nebenhandlungen verzichten.

Fazit: Regisseur Sven Unterwaldt und Drehbuchautor Gerrit Hermans verwenden die gleichnamige Buchvorlage nur als Grundzutat für ein mächtig aufgepepptes Kinder-Abenteuer. Während die Vielfalt seiner Themen vom Schulgespenst bis zur kapitalistischen Intrige übertrieben wirkt, bereitet speziell das einfallsreiche und visuell sehr reizvolle Spiel mit der geschrumpften Lehrkraft Vergnügen.




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