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Melaza
Melaza
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Melaza (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des kubanischen Regisseurs und Drehbuchautors Carlos Lechuga kommt im Rahmen der Filmtournee Cinespañol 4 in die deutschen Kinos. Bereits 2012 fertiggestellt, war das Liebesdrama, das die Zumutungen des kubanischen Alltags satirisch auf die Spitze treibt, auf etlichen Filmfestivals zu sehen. Auf dem Filmfest Mannheim-Heidelberg gewann "Melaza" 2013 den Preis für den besten Newcomerfilm.
Regelmäßig wirft ein Flieger einen Packen Zeitungen über der Wiese ab. Die Schlagzeilen richten sich mit sozialistischen Siegesparolen an die Arbeiter. "Radio Melaza" wird nicht müde, auf die Errungenschaften des Landes hinzuweisen, wie etwa die Schulspeisung. Und von Zeit zu Zeit fährt ein Auto mit Megafon durch die Straßen, um die Massen zum Protest gegen den Yankeeimperialismus zu mobilisieren. Zu Monicas Arbeit, zu der sie täglich im adretten Kostüm mit weißer Bluse erscheint, gehört es, die abgeworfenen Zeitungen von der Wiese zu holen und in der Fabrik zu deponieren. Dort sitzt sie auch einsam an einem Schreibtisch – die Stilllegung soll ja nicht für immer sein. Manchmal liegt sie mit Aldo auf einer Matratze in der leeren Halle, denn zuhause in der Baracke gibt es keinen Rückzugsraum für die Liebe.
Der Film ist voll von solchen Szenen, von denen man zunächst nicht weiß, ob sie ernst gemeint sind, oder ob die Figuren sich darin selbst parodieren. Aber auch wenn die Kinder Schwimmunterricht in dem leeren Pool bekommen und mit Händen und Füßen in der Luft paddeln, führen sie kein Theaterstück auf. Melaza, was im Spanischen Melasse heißt, ist ein fiktiver Ort, der Kubas Misere symbolisiert. Die Leute, die in der Provinz dem Niedergang der Zuckerindustrie trotzen, begegnen dem Absurden auf Schritt und Tritt. Während sich der Staat weigert, aus dem Traum der sozialistischen Revolution zu erwachen, mühen sich die Bewohner ab, mit Schwarzhandel, Prostitution und Erfindungsreichtum über die Runden zu kommen.
Auf den wortkargen Szenen liegt eine Lethargie, die nicht nur der karibischen Hitze geschuldet ist. Der halb verwaiste Ort wirkt wie im Schlaf, man sieht die Charaktere so gut wie nie lachen. Monica und Aldo müssen sich gegenseitig Halt geben. Ihre Liebe dient ihnen als Kompass in einer Umgebung, die keine Orientierung mehr bietet. Sie mögen von der Welt vergessen sein, aber sie leben. Die jungen Darsteller von Monica und Aldo strahlen eine drahtige Energie aus. Zusammen mit dem satirischen Tonfall der Geschichte setzen sie einen kraftvollen Kontrast zur Resignation, die über den Bildern liegt. Ein sehr interessanter Film aus einem Land, dessen Gesellschaft offenbar dabei ist, die eigene Lage kritisch zu sondieren.

Fazit: Das satirisch gefärbte Drama über eine Familie, die in der kubanischen Provinz ums Überleben kämpft, wechselt auf spannende Weise zwischen Trostlosigkeit und absurdem Witz. Die Kluft zwischen sozialistischen Durchhalteparolen und realen Missständen wird sehr kritisch und zugleich unterhaltsam vermessen.





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