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Red Army - Legenden auf dem Eis
Red Army - Legenden auf dem Eis
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Red Army - Legenden auf dem Eis (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid kam es zu einem Wunder: Die US-amerikanische Eishockeymannschaft, bestehend aus College-Jungs, schlug das damals als beste Mannschaft der Welt geltende Red-Army-Team der UDSSR. Aufgrund der politischen Ereignisse und des Einmarschs der Sowjetunion in Afghanistan wurde dieser Sieg auch als Triumph des westlichen Systems gewertet. In Gabe Polskys Dokumentarfilm "Red Army" ist diese Niederlage allerdings nur eine Station in seiner bemerkenswert informativen und unterhaltsamen Beschäftigung mit der Eishockeymannschaft der Sowjetunion. Selbst Sohn russischer Einwanderer in die USA und Eishockeyspieler am College – er spielte für Yale – bringt Gabe Polsky vermutlich ideale Voraussetzungen für diesen Film mit: Er kennt und liebt den Sport sowie dessen Bedeutung in beiden Ländern. Im Zentrum von "Red Army" steht dabei ein Interview mit Slava Fertisov, legendärer Verteidiger und Kapitän der "Sbornaja" in den 1980er Jahren, der noch heute als einer der besten Eishockeyspieler aller Zeiten gilt, und mittlerweile als Politiker und Funktionär reüssiert. Vor Gabe Polskys Kamera ist er unterhaltsam, charmant und sehr direkt – hier klingen Anführer, Sportsmann und Politiker stark durch. Fetisov verbringt sein ganzes Leben mit diesem Sport: Bereits im Alter von zehn Jahren wurde er als Talent erkannt und gefördert, er gewann drei Medaillen bei den Olypmischen Spielen und beendete seine Karriere schließlich bei den Detroit Red Wings in der NHL. Danach unterstützte er seinen Freund Putin bei der Organisation der Winterspiele in Sotschi und ist mittlerweile Vorsitzender der russischen Amateur-Eishockeyliga. In seine Aktivenlaufbahn fällt nicht nur der Höhepunkt des sowjetischen Eishockeysports, sondern auch der Zusammenbruch der UDSSR – und die Neuformierung des russischen Sports. Dadurch wird er zum idealen Gesprächspartner. In "Red Army" wird sehr deutlich, welche Funktion der Sport im Allgemeinen und Eishockey im Besonderen in der UDSSR hatte: Das Red-Army-Team war durch harte Arbeit im Kollektiv erfolgreich und demonstrierte damit in bester Propaganda die Überlegenheit des Sozialismus. Dahinter verbarg sich ein System aus Disziplin und Patriotismus, das die Spieler zu vier Trainingseinheiten am Tag zwang und sie nur selten nach Hause zu ihren Familien ließ. Dennoch wäre Fetisov nicht auf die Idee gekommen, in den USA oder einem anderen Land zu bleiben. Das wäre in seinen Augen Verrat am Vaterland gewesen. Den langen Arm der Politik bekam er indes dauerhaft zu spüren: Der verhasste Trainer Viktor Tikhonov überstand sogar die Niederlage gegen die USA 1980, indem er den Torhüter schon während des Spiels zum Sündenbock erklärte – und über ausgezeichnete Verbindungen zum KGB verfügte. Diese Nähe zum Politbüro verhinderte zudem Jahre später über Monate hinweg, dass Fertisov nach dem Zusammenbruch der UDSSR ein Angebot aus den USA annehmen konnte. Öffentlich wurde es ihm von Tikhonov erlaubt, hinter den Kulissen jedoch verweigerte er seine Zustimmung. Als er dann doch das Land verlassen durfte, standen ihm in den USA schwierige Zeiten bevor: Die individualistische Spielweise der US-Teams passte nicht zu Fetisovs Ausbildung im Kollektiv. Gabe Polsky inszeniert seinen Film spannend und temporeich, zugleich gelingt ihm eine gute Mischung aus Politischen und Persönlichem, Unterhaltung und Information. Deshalb ist "Red Army" eine gelungene Sport-Dokumentation.

Fazit: "Red Army" ist eine gute Dokumentation über Sport, Propaganda und Politik, die nicht nur hartgesottene Eishockey-Fans begeistern wird.




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