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Highway to Hellas
Highway to Hellas
© Warner Bros.

Kritik: Highway to Hellas (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach seiner von der Kritik gefeierten Tragikomödie "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" von 2013, legt der Wuppertaler Regisseur und Drehbuchautor Aron Lehmann mit der Verfilmung des Roman-Bestsellers "Highway to Hellas" (2014) seinen neuen Film vor. Die beiden Autoren der Romanvorlage Arnd Schimkat und Moses Wolff, wirkten auch an der Drehbuch-Adaption mit. Produziert wurde der Film u.a. von Matthias Schweighöfer, zudem ist der Film mit Christoph Maria Herbst prominent besetzt. Herbst ist prädestiniert für die Rolle des konservativen, kleinbürgerlichen Bürokraten, eine charakterlich ähnlich angelegte Rolle verkörperte er bereits als Bernd Stromberg jahrelang erfolgreich im TV.

In Sachen Abbau von gängigen Stereotypen sowie vorgefertigten Meinungen leistet der Film ganz sicher keine Pionierarbeit. Im Gegenteil, er bekräftigt und unterfüttert diese noch, vor allem wenn es zu den ersten Begegnungen zwischen dem engstirnigen Kreditmanager und den Inselbewohnern kommt, wobei allen voran zwischen Geissner und dem Supermarktbesitzer Panos die (vor Klischees und Allgemeinplätzen nur so triefenden) Fetzen fliegen. Geissner kommt als spießbürgerlicher, linientreuer Bürohengst daher, der mit der lapidaren Arbeitseinstellung der Griechen vor Ort so gar nichts anfangen kann. Im Film erscheinen die Bewohner daher auch nicht selten als bequem, müßig, oft korrupt und trinkfreudig. Diese Bestätigung gängiger Klischees ist ärgerlich und in erster Linie dafür verantwortlich, dass der Film qualitativ nicht voll überzeugen kann.

Dennoch: der Film hat seine enorm gelungenen, witzigen Momente, allen voran bedingt durch die bissige Situationskomik und die messerscharfen Dialoge: wenn etwa Geissner auf seiner beschwerlichen Reise durch die (hübsch fotografierten) unwegsamen Hügellandschaften auf seinem Esel in Schneckentempo und steif bergaufwärts reitet und das Tier einfach nicht gehorchen will ("Glaubst du, ich lass‘ mir von dir auf der Nase herumtanzen?") oder als er bei einem griechischen Kreditnehmer ganz direkt und unmittelbar erfährt, was die Inselbewohner von Steuerbescheiden halten. Zudem kommt es zu skurrilen, humorvollen Vorfällen z.B. hinsichtlich der kulinarischen Besonderheiten des Landes, an die sich Geissner nur schwer gewöhnen kann. Getreu dem Motto des Films, "Wenn uns Kulturen trennen, bringt uns Freundschaft zusammen", gestalten sich die Szenen, in jenen sich die beiden ungleichen Männer freundschaftlich näher kommen, zwar ein wenig schmalzig. Aber auch sehr herzerwärmend, menschlich und liebenswert.

Fazit: Zwar klischeeüberfrachtete aber dennoch sehenswerte Culture-Clash-Komödie mit guter Besetzung und messerscharf-bissigen Dialogen.




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