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Patong Girl
Patong Girl
© barnsteiner-film

Kritik: Patong Girl (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

ACHTUNG SPOILER

"Patong Girl" ist der neue Film der in Finnland geborenen Regisseurin Susanna Salonen, die sich bisher hauptsächlich einen Namen als Doku-Filmerin gemacht hat. Früher war sie als Kamera-Assistentin für Regie-Größen wie Jan de Bont ("Speed") und Tom Tykwer ("Lola rennt") tätig. Während eines längeren Thailand-Urlaubs kam Salonen die Idee für ihren Film "Patong girl", für den sie auch das Drehbuch schrieb. Der Film erlebte sein Debüt beim diesjährigen "Festival des Deutschen Films" in Ludwigshafen und behandelt ein Thema, das in Thailand weit mehr Beachtung findet als hierzulande. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es dort mehr solcher "exotischer Wesen" gibt, von denen "Patong girl" erzählt: sog. "Ladyboys" bzw. Transgender. Darunter versteht man meist homosexuelle Männer, die sich als Frau fühlen und sich zumeist auch geschlechtsangleichenden Operationen unterziehen. "Patong Girl" ist ein überzeugend gespieltes, alles andere als gängiges Liebes-Drama, das seine Protagonisten und deren Gefühle jederzeit ernst nimmt.

Der Film kann als Plädoyer für Toleranz und den Abbau von Vorurteilen und vorgefertigten Meinungen verstanden werden. Für die meisten Westeuropäer (so auch für die Familie Schröder im Film) wirken die Ladyboys zunächst befremdlich und unnatürlich, die Verbreitung dieser exotischen Gruppe sexuell Andersartiger hält sich in Europa daher auch in Grenzen. Ganz anders in Asien, und dort vor allem in Thailand: die gesellschaftliche Akzeptanz Transsexueller ist in Thailand wesentlich höher als z.B. in Deutschland. Und so überrascht es nicht, dass die betroffene Familie im Film auch dementsprechend geschockt reagiert, als Fai ihre wahre Identität und damit Sexualität preisgibt. Diese Reaktion steht in gewisser Weise stellvertretend für die ablehnende Haltung vieler Menschen dieses "dritten Geschlechts" gegenüber.

"Patong Girl" wirbt mit einem authentischen und glänzend aufspielenden Cast für mehr Toleranz und die Akzeptanz "andersartiger" Menschen. Es gelingt den beiden Hauptdarstellern, das wahrhaftige Bild eines von Gefühls-Chaos und Liebes-Wirrwarr durchzogenen Paares, zu zeichnen. Max Mauff kennen viele bereits durch seine Rolle als Praktikant Jonas Fischer in Stromberg oder durch sein Mitwirken in Kinofilmen wie "Die Welle" oder "Der Vorleser". Auf subtile Weise verkörpert er den charismatischen, hochemotionalen 25-jährigen Felix, der sich unsterblich in Fai verliebt. Diese wird im Film von Aisawanya Areyawattan verkörpert, bei der/dem es sich um einen tatsächlichen Ladyboy handelt. Zart und gefühlvoll spielt er die innerlich zerrissene, zerbrechliche Fai, die sich erst nach langer Zeit dazu durchringen kann, Felix die Wahrheit zu erzählen.

Fazit: Stark besetztes, vor exotischer Kulisse spielendes Liebes-Drama der etwas anderen Art.




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