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National Gallery
National Gallery
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

Kritik: National Gallery (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Erst vor wenigen Monaten startete mit "Das große Museum" bereits ein Dokumentarfilm über ein Kunstmuseum von Weltrang. Der österreichische Regisseur Johannes Holzhausen blickte in seinem Film hinter die Kulissen des KHM in Wien und verfolgte dabei einen Ansatz, der dem von Frederick Wisemans "National Gallery" nicht unähnlich ist. Beide Filmemacher arbeiten mit den Mitteln des Direct Cinema, ihre Werke vermitteln den Eindruck einer Fliege an der Wand, die das Geschehen um sie herum lediglich beobachtet, aber selber nicht zu bemerken ist. Wiseman, der in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag feiert, gilt als einer der Pioniere des Direct Cinema und betont aber zugleich immer wieder, dass es ihm nicht um ein neutrales Beobachten geht, sondern darum seine subjektive Erfahrung anhand dramatischer Strukturen auf Film zu bannen.

Diese dramatischen Strukturen kristallisieren sich allerdings erst nach und nach heraus, zu Beginn scheint der Film beinahe unmotiviert von Situation zu Situation zu springen. Es sind kleine Episoden aus dem Museumsalltag, die Wiseman hier kommentarlos und mit viel Geduld einfängt: Die Kamera beobachtet das feine Handwerk einer Restauratorin, ist bei einer Versammlung der Museumsleitung anwesend oder lauscht gemeinsam mit den Besuchern den Museumsführern und ihren lebhaften Vorträgen. Dabei wir bald klar, dass Wiseman nicht wie Holzhausen hinter die Kulissen einer speziellen Kulturinstitution schauen will, sondern sich auf die Frage konzentriert, wie Kunst im Spannungsfeld zwischen alten Traditionen und zeitgemäßem Marktdenken vermittelt werden kann.

Die Vorträge der Kunstvermittler und vor allem Kunstvermittlerinnen bekommen in diesem beinahe drei Stunden dauernden Dokumentarfilm dabei den meisten Raum. Mit ihren faszinierenden und lehrreichen Erläuterungen zu den Werken Caravaggios, Tizians und Co fordern diese Menschen auf, sich auch selber mit Kunst auseinanderzusetzen und sich nicht vor subjektiven Zugängen zu scheuen. Dies mag auch für Wisemans Film selber gelten, der zwar keine runde Geschichte erzählt, der aber einem offenen und wachen Blick viel zu bieten hat. Nicht bloß über die Maltechniken alter Meister oder die Arbeit im Museum lässt sich hier etwas erfahren, in "National Gallery" offenbart sich auch so einiges über das Menschsein.

Fazit: Frederick Wisemans Dokumentarfilm beobachtet den faszinierenden Alltag in einem Museum und erzählt dabei auf lehrreiche Weise von der Kunst und dem Menschsein.




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