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Kaptn Oskar
Kaptn Oskar
© Drop-Out Cinema eG © Daredo Media GmbH

Kritik: Kaptn Oskar (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In so manchen Kritiken zu "Kaptn Oskar" war etwas von einer "ziellosen Coming-of-Age-Story" zu lesen, die die Rezensenten unbefriedigt zurückgelassen hat. Und wer Tom Lass' Film als eine klassische Coming-of-Age-Geschichte betrachtet, kann wohl auch nur enttäuscht werden. Das verspielte und durchaus humorvolle Drama erzählt nämlich weniger von einem Reifeprozess hin zum Erwachsensein als vielmehr von der Bewahrung einer störrischen Kindlichkeit. Die Verweigerung spielt so nicht bloß auf inhaltlicher Ebene in Form der sexuellen Abstinenz eine entscheidende Rolle, sondern prägt den Film als Leitmotiv auch formal.

Allein schon die von Ellipsen und Sprüngen geprägte Dramaturgie widersetzt sich eindrücklich der Formelhaftigkeit, an die ein Coming-of-Age-Film üblicherweise gebunden ist. Stattdessen entwirft der Regisseur und Hauptdarsteller Tom Lass eine mal recht grobe, dann wieder äußerst filigrane Skizze einer jungen Liebe. Es sind Fragmente, die Lass hier lustvoll zusammenträgt und bisweilen etwas chaotisch anordnet. Was diesen verstreuten Film zusammenhält, sind neben dem melancholischen Ton in erster Linie die Schauspieler: Mit sichtlicher Spielfreude improvisieren Lass als Titelheld und Amelie Kiefer als Masha das emotionale Auf und Ab einer Beziehung, während Martina Schöne-Radunski in der Rolle der Alex auf großartige Weise durchknallt.

Den psychologisierenden Ansatz vieler Beziehungsfilme stellt "Kaptn Oskar" offensiv in Frage, ohne ihn dabei gleich ganz über Bord zu werfen. Wichtiger als die filmische Vermittlung eines Psychogramms und immer nachvollziehbarer, dank komplett durchleuchteter Figuren, scheint Lass' assoziativer Bildcollage allerdings das Umherschweifen und Vom-Weg-abkommen. So lässt sich "Kaptn Oskar" unter anderem auch als ein reizvoller kleiner Streifzug durch die Filmgeschichte abseits des Mainstreams verstehen, der von der Nouvelle Vague über die Mumblecore-Bewegung bis hin zu Xavier Dolans Affektkino führt. Und am Ende dieses Weges kann man einen feinen deutschen Independentfilm entdecken.

Fazit: Dieses großartig besetzte Liebesdrama verweigert sich offensiv ausgetretenen Genrepfaden und entdeckt abseits des Weges lustvoll verspieltes Independentkino.




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