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Maggies Plan
Maggies Plan
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Maggies Plan (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im ersten Drittel ist "Maggie's Plan" von writer-director Rebecca Miller eine zutiefst charmante, aber recht formelhafte indie comedy in der Tradition des frühen Woody Allen: Die titelgebende Protagonistin ist eine intellektuelle Stadtneurotikerin; in ihrem Apartment stapeln sich die Bücher – doch in keinem findet sich die Anleitung zum Glücklichsein. Auch in dieser Rolle spielt Greta Gerwig ihre sympathisch-ungelenke Art aus, allerdings unterscheidet sich Maggie deutlich von anderen Gerwig-Figuren wie Florence aus "Greenberg" oder Frances aus "Frances Ha", da sie (allzu) energisch ihr Ziel verfolgt, ohne dabei wiederum völlig den Sinn für die Realität zu verlieren, wie dies bei Gerwigs Part in "Mistress America" der Fall ist. Der Film lebt von den gekonnt vorgetragenen, klugen und witzigen Dialogen – verlässt sich teilweise jedoch zu sehr auf das gesprochene Wort und vernachlässigt dadurch das Zeigen: Alles wird verbalisiert, sämtliche Hinter- und Beweggründe werden in clevere Worte gekleidet statt visualisiert. Nur in einigen Passagen erweist sich die Inszenierung als originell – etwa in dem Moment, in dem John Maggie seine Gefühle offenbart, was in erster Linie gestisch auf ungewöhnliche Weise geschieht.

Erfreulich ist, dass Millers Werk, welches auf einem bisher nicht veröffentlichten Roman von Karen Rinaldi basiert, nach einem überwiegend vorhersehbaren Anfang ein paar durchaus überraschende Wendungen nimmt, die mit einem Zeitsprung beginnen und einen ganz neuen Plan für die Titelheldin hervorbringen. Der Film neigt sich dabei in seiner herrlichen Absurdität zu den screwball comedies aus der Glanzzeit Hollywoods hin und bietet insbesondere der wunderbaren Julianne Moore die Chance, einen großen Auftritt hinzulegen. Mit dänischem Akzent und Diven-Garderobe verkörpert sie einen interessanten Kontrast zur New Yorkerin Maggie, die gern mal zum unförmigen Pullunder greift. Das Dreiecksverhältnis, das zwischen den beiden Frauen und dem von Ethan Hawke mit der nötigen Portion Exzentrik gegebenen Möchtegernschriftsteller John entsteht, ist unterhaltsam und verläuft kreativer, als es die Exposition vermuten ließ. "We're miserable, but we're also happy", stellt Maggies Kumpel Tony (Bill Hader) eingangs fest – und diese Tragikomik des Lebens wird von dem Ensemble des Films schön transportiert.

Fazit: Ein erstaunlich wendungsreiches (sm)arthouse movie mit spleenigem Personal. Auf visueller Ebene hätte der Film jedoch an vielen Stellen origineller ausfallen dürfen.





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