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Melody's Baby
Melody's Baby
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Melody's Baby (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das kammerspielartige Drama über eine junge Leihmutter und ihre Kundin erzählt die Geschichte zweier einsamer Frauen in einer kalten Welt. Der belgische Regisseur Bernard Bellefroid lässt seine Titelfigur wie die Protagonistin aus "Zwei Tage, eine Nacht" der Brüder Dardenne Klinken putzen. Die 28-jährige Melody wirft Handzettel in die Briefkästen von Wohnblocks und fragt dann über die Sprechanlage nach, ob jemand ihre Dienste als Friseuse benötigt. Ihr Arbeitsköfferchen trägt sie immer bei sich, wie auch ihre ganze sonstige Habe, denn sie schläft nachts in Treppenhäusern. Melodys Ziel eines Friseursalons rückt aber erst in greifbare Nähe, als sie sich entschließt, für eine andere Frau ein Kind auszutragen. Allerdings holt Melody während der Schwangerschaft die Sehnsucht nach ihrer unbekannten Mutter ein. Plötzlich geht es nicht mehr um ein Geschäft, sondern um Gefühle, und diese entladen sich in einer stürmischen Beziehung mit der Auftraggeberin Emily.
Die wohlhabende, erfolgreiche englische Geschäftsfrau ist so ziemlich das Gegenteil von Melody: Sie hat Geld und ist es gewöhnt zu bekommen, was sie will. Nur ein eigenes Kind fehlt zu ihrem Glück, aber da machte ihr die Krankheit einen Strich durch die Rechnung. Im Laufe ihrer Beziehung entdecken beide Frauen neue Seiten an sich, Schwäche, Sehnsüchte, das Glück geteilter Freude. Emily wird, schon indem sie auf Melodys Ernährung achtet, zu einer Mutterfigur für sie. In der Beziehung der Frauen spiegelt sich das Auf und Ab, das Hoffen und Bangen während einer Schwangerschaft. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wer die eigentliche Mutter dieses Kindes sein wird, sondern auch um das lebendige Ausprobieren von Freundschaft und Zuneigung. Lucie Debay und Rachael Blake spielen ihre Charaktere und deren Wechselbad der Gefühle hinter der Fassade von Zurückhaltung und Selbstschutz sehr bewegend. Dennoch schmälert die Tendenz zur Überkonstruktion, die der auch etwas entrückten Geschichte anhaftet – etwa die wiederholte Gegenüberstellung von Tod und Leben - , ihre emotionale Glaubwürdigkeit und Unmittelbarkeit.
Wenn die beiden Frauen dann für eine Weile an die Küste fahren und dort ein altes Haus beziehen, erinnern die Bilder an François Ozons "Rückkehr ans Meer": die Schwangerschaft und die Urmutter allen Lebens und ihre Naturgewalt. Angesichts von Kräften, die er nicht selbst steuern kann, wird der Mensch auch an sein Grundvertrauen erinnert. Die zärtliche Freundschaft von Melody und Emily heilt und tröstet, sie schenken sich gegenseitig mütterliche Begleitung auf ihrem Trip in die Brandung.

Fazit: Bernard Bellefroids Drama erzählt von einer Leihmutterschaft in Form eines intensiven emotionalen Kammerspiels zweier Frauen. Ihre stark gespielte Beziehung überzeugt als dynamischer Prozess von Geben und Nehmen, aber die Geschichte wirkt manchmal auch überkonstruiert und entrückt.




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