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Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex.
Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex.
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex. (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bei jedem Orgasmus stirbt der Mensch ein bisschen. Deshalb nennen die Franzosen ihn la petite mort, der kleine Tod. Dem Sensenmann ein Stückchen näher zu rücken, stellt sich im Regiedebüt des Schauspielers Josh Lawson jedoch schwerer heraus, als zunächst angenommen. Denn jedes der fünf Paare, die im Mittelpunkt seiner Komödie stehen, hat seine ganz spezielle Vorliebe, zum Höhepunkt zu kommen. Das reicht von sexuellem Masochismus bis zur Somnophilie, von Dacryphilie bis zur Telefon-Skatologie. Was sich dahinter verbirgt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Auf der Leinwand erklärt ein kurzer Lexikoneintrag jeden Fetisch, bevor sich der Film episodisch Lust und Frust der Vorstädter widmet. Die Figuren sind nur lose miteinander verknüpft. Gegen Ende der Komödie kreuzen sich jedoch einige ihrer Wege und münden in einen großen Knall.

Lawson inszeniert diesen lustvollen Reigen so, wie es eigentlich in den Schlafzimmern seiner Protagonisten zugehen sollte: ungezwungen und mit viel Humor. Stattdessen sind die Paare verklemmt und gehemmt. Obwohl sie das Intimste miteinander teilen, wagen sie es nicht, darüber offen und ehrlich zu sprechen – aus Angst davor, ausgelacht, nicht ernst genommen oder vom eigenen Partner als pervers angesehen zu werden. Dabei sind ihre Vorlieben zwar ausgefallen, aber weder verboten noch verwerflich.

Die Geheimniskrämerei führt schließlich zu amourösen wie amüsanten Verwicklungen. Das Kinopublikum lacht dabei nur anfänglich über die sexuellen Neigungen, die zum Teil herrlich originell sind. Viel stärker wird der verkrampfte Umgang mit dem Fetisch verlacht. Hier führt "Der kleine Tod" ganz nebenbei vor Augen, wie kompliziert es selbst in einer übersexualisierten Welt sein kann, wenn es zur Sache geht.

Lawson bedient sich trotz des pikanten Themas weder abgedroschener Zoten noch expliziter Schauwerte. Und so nimmt der Zuschauer die Figuren ernst. Im Gegensatz zu mancher Klamotte US-amerikanischen Zuschnitts von "American Pie" bis "Kill the Boss" verkommen die Charaktere nicht zu bloßen Klischees ohne Tiefe und Substanz.

Was "Der kleine Tod" humorvoll überspitzt, dürfte in so manchen Ehebetten trauriger Alltag sein. Und so wünscht man sich, dass die Zuschauer nicht nur amüsiert nach Hause gehen, sondern die Leichtigkeit und Ungezwungenheit dieser Komödie auch in ihr eigenes Schlafzimmer mitnehmen.

Fazit: Überdrehte Komödie über die schönste Nebensache der Welt, die die Verkrampftheit im Umgang mit sexuellen Vorlieben völlig unverkrampft auf die Schippe nimmt.




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