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The Accountant
The Accountant
© Warner Bros.

Kritik: The Accountant (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nicht jedes Drehbuch, das auf der berühmten Black List Hollywoods landet, die alljährlich die spannendsten, bislang unproduzierten Vorlagen zusammenfasst, taugt am Ende auch für einen guten Film. Deutlich wird dies aktuell am Beispiel von Bill Dubuques Skript zum Actionthriller "The Accountant", dessen Prämisse vielversprechend klingt, in Gavin O’Connors Inszenierung aber nicht richtig zur Entfaltung kommt. Im Mittelpunkt des Werks steht ein autistisches Zahlengenie, das sich als biederer Steuerberater tarnt, allerdings regelmäßig für große Mafiaorganisationen arbeitet. Gespielt wird Christian Wolff von "Batman"-Darsteller Ben Affleck, der den kontaktscheuen, zwangsneurotischen Einzelgänger zwischen absoluter Beherrschung und kraftvollen Gewaltausbrüchen hin- und herpendeln lässt. Der titelgebende Buchhalter ist nicht nur ein intelligenter Finanzexperte, sondern verwandelt sich in Stresssituationen kurzerhand in eine kompromisslose Kampfmaschine und schreckt selbst vor Mord nicht zurück.

Gelegentlich versuchen O’Connor und Dubuque, die Persönlichkeit der Hauptfigur genauer zu ergründen, und tauchen dafür in ihre Kindheit ab. Wenig raffiniert eingestreute Rückblenden zeigen uns einen hochsensiblen Jungen, dessen klischeehaft gezeichneter Vater der Asperger-Diagnose mit militärischem Training begegnet, da er seinen Sohn in einer rauen Welt nicht als Opfer aufwachsen lassen will. Ernsthaftes Interesse an Wolffs Verfassung zeigen die Macher jedoch nicht. Vielmehr dient seine Unbeholfenheit im sozialen Miteinander immer wieder für komische Momente, die der Spannung der Geschichte ein ums andere Mal im Wege stehen. Mitunter drängt sich schon die Frage auf, ob man nun mit den Figuren mitfiebern oder herzhaft über sie lachen soll.

Dass "The Accountant" unter seinen Möglichkeiten bleibt, hat auch mit der etwas ungelenken Konstruktion der Handlung zu tun. Während der Strang rund um Wolffs Tätigkeit bei einer aufstrebenden Robotik-Firma einige intensive Szenen und starke Actioneinlagen bereithält, gestalten sich die Nachforschungen der Finanzermittler Raymond King (J. K. Simmons) und Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) schleppend und ermüdend. Den Vogel schießt O’Connor mit einer überlangen Erklär-Passage ab, die allerhand Hintergrundinformationen nachliefert, ohne dass die beiden Beamten dadurch zusätzliches Profil gewinnen würden. Umso ärgerlicher, dass für eine blasse, nichtssagende Rolle mit Oscar-Preisträger J. K. Simmons ein echter Charakterdarsteller verheizt wird.

Bis zum Ende wartet "The Accountant" mit einigen Wendungen auf. Spätestens im Showdown verfällt der schwarzhumorige Thriller aber in eine recht konventionelle Shootout-Dramaturgie, durch die der hochgradig ungewöhnliche Protagonist einiges von seiner geheimnisvollen Aura einbüßt. Etwas scheinheilig wirkt zudem der letzte Twist, der eine Lanze für Autisten und Behinderte bricht. Tatsächlich erweckt der Nachklapp allerdings den Anschein, als wolle O’Connor damit sein schlechtes Gewissen wegen des vorher fast ausschließlich funktionalen Umgangs mit Wolffs Entwicklungsstörung beruhigen.

Fazit: Kompetent umgesetzte Actionszenen, einige gelungene Spannungsmomente und ein gut aufgelegter Ben Affleck sind leider zu wenig, um aus "The Accountant" einen jederzeit packenden Crime-Thriller zu machen. Auf dem Weg zum bleihaltigen Finale muss der Zuschauer mehr als ein Klischee und manche Drehbuchunebenheit über sich ergehen lassen.




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