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Tod den Hippies, es lebe der Punk
Tod den Hippies, es lebe der Punk
© X Verleih

Kritik: Tod den Hippies - Es lebe der Punk! (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Oskar Roehlers Leben bietet Stoff für mehrere Filme – zumindest seiner Meinung nach. Nach "Die Unberührbare" (2000) und "Quellen des Lebens" (2013) arbeitet sich der Autor und Regisseur erneut nur leicht kaschiert an seiner Familiengeschichte ab. Dieses Mal geht es in die 1980er und deutlich komödiantischer zu. Roehler beleuchtet die Jahre, als er sich in Westberlin mit Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs über Wasser hielt und in Bars abhing, in denen auch Blixa Bargeld und Nick Cave verkehrten. Musik, Sex und Drogen dürfen da nicht fehlen. Tom Schilling gibt Roehlers Alter ego Robert. Auf seine Mutter Gisela und seinen Vater Klaus, die dieses Mal Hannelore Hoger und Samuel Finzi verkörpern, drischt der Regisseur auch in "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" gehörig ein.

Das muss einem nicht gefallen, Roehlers Filme erst recht nicht. Eines muss man dem Regisseur jedoch zugute halten: Er macht weiterhin kompromissloses Kino, liefert seine Figuren gnadenlos aus und zeigt Dinge in einer Drastik, die in Deutschland Seltenheitswert besitzt. In "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" beschränkt sich das jedoch zumeist auf den zotigen Umgang mit Drogen und allerlei Körperflüssigkeiten – allen voran auf das Sperma, das Robert in den Kabinen einer Westberliner Peepshow literweise von den Scheiben putzt. Das mag für manche bereits radikal sein, vielen übel aufstoßen, ist jedoch näher am Mainstream der Farrelly Brüder als an irgendeiner Subversion.

Es scheint, als habe Roehler mit "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" die Parodie seines bisherigen Werks gedreht. "Früher habe ich ziemlich pathetische, ernsthafte Filme gemacht, die viele bis heute sehr stark finden. Ich kann mir das nicht mehr ansehen", hat Roehler in einem Interview zu "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" gesagt. Doch seine Flucht in die (Selbst-)Ironie macht seinen aktuellen Film nicht besser.

Wie so viele Geschichten Roehlers hat auch "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" keine klare Struktur. Wie sein Protagonist treibt die Handlung ziellos dahin, immer wieder von wilden Ausbrüchen unterbrochen. Der erzählerische Ton wechselt wiederholt, wie Roehler zwischen Farbe und Schwarzweiß hin und herspringt. So ist "Tod den Hippies – Es lebe der Punk!" mal abstruse Coming-of-Age, mal überstilisierter Film noir, mal plumpe Rachefantasie und mal überdrehte Farce. Seine Schauspieler lässt Roehler mal in realistischen, mal in künstlich überhöhten Sets stets exaltiert agieren.

Mehrfach hat der Regisseur das zeitgenössische (deutsche) Kino als zu ernst, spröde und todlangweilig kritisiert. Auch mit diesen Hippies, den Anhängern eines allseits akzeptierten Mainstream, rechnet Roehler in seinem Film ab. Doch in seinem Versuch, Punk zu sein, ist Roehler am Ende mehr Hippie als ihm vielleicht lieb ist.

Fazit: Wie gewohnt ist Oskar Roehler nichts und niemand heilig. Auf geht dieser krude Mix aus Westberlin-Nostalgie, Ironie und Abrechnung mit der eigenen Familie dennoch nicht. Wieder einmal liefert Roehler nur Stückwerk, das in Ansätzen und einzelnen Episoden überzeugt, gar kraftvoll daherkommt, die nötige Geschlossenheit jedoch erneut vermissen lässt.




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