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Im Namen meiner Tochter - Der Fall Kalinka
Im Namen meiner Tochter - Der Fall Kalinka
© Koch Media

Kritik: Im Namen meiner Tochter - Der Fall Kalinka (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Vincent Garenqs "Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka" schildert eine wahre Begebenheit: den drei Jahrzehnte umspannenden Kampf von André Bamberski um die Aufklärung des Todes seiner 14-jährigen Tochter. Das Drehbuch, das Garenq gemeinsam mit Julien Rappeneau frei nach Bamberskis Autobiografie verfasste, nimmt die Perspektive des Vaters ein. Die Erzählung beginnt im Jahre 2009, ehe in einer langen Rückblende die Ereignisse ab 1974 in chronologischer Reihenfolge auf die Leinwand gebracht werden. Mit vielen Zeitsprüngen werden somit 35 Jahre im Leben der Hauptfiguren abgebildet. Die vergleichsweise kurze Laufzeit des Films von 87 Minuten hat zur Folge, dass eine Vertiefung an etlichen Stellen nicht stattfinden kann: Einige Szenen brechen recht unvermittelt ab; Hintergründe – insbesondere in Bezug auf die deutsche Justiz – bleiben im Unklaren und die Motive sowie inneren Zustände diverser Figuren, allen voran die von Kalinkas Mutter Dany, werden kaum beleuchtet.

Dank solider, nie zu aufdringlicher Masken- und Kostümarbeit sowie souveräner Schauspielleistungen wird indes das Altern aller Beteiligten glaubhaft umgesetzt. Daniel Auteuil ("Caché") vermag die Hartnäckigkeit von Bamberski zu vermitteln, aber auch dessen Tragik: Um den schuldigen Dieter Krombach ins Gefängnis zu bringen und seiner toten Tochter damit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, gibt Bamberski sein gesamtes Leben auf – worunter nicht zuletzt das Verhältnis zu seinem Sohn Pierre sowie seine neue Beziehung zu leiden haben. Als Antagonist verkörpert Sebastian Koch ("Das Leben der Anderen") einen Charismatiker, der Dany mit klassischer Musik verführt; Krombachs Psyche widmet sich der Film jedoch nicht. Marie-Josée Croze fällt als Mutter ein undankbar-passiver Part zu – in einigen wenigen Momenten gegen Ende kann sie allerdings andeuten, wie Dany sich ihrer Verdrängung der schrecklichen Wahrheit bewusst wird.

Dass Garenq und Rappeneau den Stoff nicht als Vorlage für einen Rachethriller mit typischen Genre-Situationen nutzen, ist erfreulich; weitgehend setzt der Film auf Realismus. Gleichwohl ist "Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka" nicht frei von reißerischen Bildern, etwa in der Darstellung einer späteren Vergewaltigungstat von Krombach. Überdies ist die musikalische Untermalung oft wenig subtil.

Fazit: Eine gut gespielte, jedoch nicht durchweg überzeugend inszenierte Verfilmung eines Justizskandals, die sich nicht ausreichend Zeit für ihr Thema nimmt.




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