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Therapie für einen Vampir
Therapie für einen Vampir
© MFA+ FilmDistribution e.K.

Kritik: Therapie für einen Vampir (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zum ersten Mal nach über 10 Jahren liefert der Österreicher David Rühm mit "Therapie für einen Vampir" hier wieder einen abendfüllenden Film ab. Nachdem er zuletzt vor allem als Werbefilmer und Fotograf tätig war, nahm er sich die Geschichte des alles andere als bedrohlichen, völlig untypischen Vampirs Geza Von Kösznöm vor. In der Hauptrolle als melancholischer Untoter ist der österreichische Schauspieler Tobias Moretti zu sehen, für den es nach dem Kriminalfilm "Das ewige Leben" der zweite Einsatz auf der großen Leinwand in diesem Jahr ist.

Allein die Idee, den großen Tiefenpsychologen und Kulturtheoretiker Sigmund Freud ausgerechnet mit einem Vampir zusammentreffen zu lassen ist schon grandios und zeugt von einer blühenden Phantasie. Sind Vampire doch jene Wesen, die sich nicht selten durch ungezügelten Sexualtrieb und manisch anmutende, impulsiv-entfesselte Fleischeslust auszeichnen, darüber hinaus sind sie in Literatur und Film oft missmutig, schwer greifbar und leiden unter Persönlichkeitsstörungen. Also wie gemacht für eine Therapie bei Dr. Freud. Hier bringt Rühm natürlich längst vergangene Tatsachen bzw. weit zurückliegende Realität (Freud gab es natürlich wirklich, ist aber immerhin auch schon seit 1939 tot) und Horrormotive bzw. phantastische Elemente (Vampir) zusammen. Doch diese ungewöhnliche Melange glückt.

Mit ordentlich Slapstick, (im wahrstem Sinne) "bissigem" Humor und reichlich bizarr-abgedrehten Szenen und Einfällen, garniert Rühm seine Mischung aus Vampirfilm-Persiflage und Liebeskomödie. Allein die Momente, wenn der altersmüde, zutiefst betrübte und erschöpft drein blickende Vampir-Graf (Moretti transportiert diesen Verfall und depressiven Gemütszustand herausragend mit leiser, brüchiger Stimme) auf der Couch von Freud liegt und darüber wehklagt, wie sehr er doch seine Frau "hasst" und seiner alten Verflossenen hinterher trauert, dann sind das köstliche Momente subtil-verschmitzter Skurrilität.

Immer wieder spielt der Regisseur zudem genüsslich mit klassischen Vampir-"Themen" und -Motiven sowie Klischees dieser Gattung von Wesen, etwa wenn der Graf immer wieder sein (diesmal aber frisch gezapftes) Blut zu sich nehmen muss, sich oft im Schwebezustand präsentiert oder auch in Windeseile - wie vom Erdboden verschluckt - aus den Räumlichkeiten verschwindet - und Freud mit fragendem, verwirrtem Blick zurücklässt. Oder, der Klassiker, wenn pumpende Herzmuskel nach delikatem Genuss menschlichen Fleisches zurückbleiben. Das Ganze wird dazu noch in schöner Wiener Mundart präsentiert und Tobias Moretti hat sichtlich Freude daran, in eine der ungewöhnlichste Rollen seiner bisherigen Karriere zu schlüpfen. Und: der bisher vor allem durch Filme wie "Silentium" und "Gloomy Sunday" bekannte Karl Fischer ist als - aufgrund des merkwürdigen Verhaltens seines neuen Patienten stets verwundert, herrlich betreten dreiblickender - Dr. Freud eigentlich der Hauptgewinn des Films.

Fazit: Originelle, bissige und Slapstick-reiche Vampirfilm-Hommage- und Persiflage, die aufgrund der vorzüglichen Darsteller und der extravaganten Einfälle überzeugt.




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