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Guardians of the Galaxy 2
Guardians of the Galaxy 2
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Im manchmal etwas eintönigen Superheldenuniversum setzte "Guardians of the Galaxy" im Sommer 2014 einen schönen Farbtupfer, der die Vorfreude auf den zweiten Teil befeuerte. James Gunn ("Slither – Voll auf den Schleim gegangen") war zweifellos ein unterhaltsames Space-Abenteuer mit Retro-Charme, anarchisch-abgedrehten Einfällen und exzentrischen Antihelden gelungen. Anknüpfen kann der Regisseur und Drehbuchautor an seinen Überraschungserfolg auch mit der Fortsetzung, wenngleich kleine Abnutzungserscheinungen zu konstatieren sind. "Guardians of the Galaxy Vol. 2", der mittlerweile fünfzehnte Beitrag der fortlaufenden Marvel-Kinoreihe, erweist sich als spaßig-kurzweiliges Scifi-Spektakel, das ein überraschendes Interesse für das Gefühlsleben seiner Hauptfiguren an den Tag legt und gleich auf mehreren Ebenen familiäre Bande untersucht.

Im Zentrum der Erzählung steht der halb menschliche, halb außerirdische Peter Quill alias Star-Lord (Chris Pratt), über dessen leiblichen Vater sich der erste Teil ausschwieg, was einige Spekulationen zur Folge hatte. Die Identität seines Erzeugers wird nun gelüftet und führt bei Quill zu einem inneren Konflikt, den man ruhig noch umfassender hätte beleuchten können. Trotz erstaunlicher Erkenntnisse bleibt seine Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln insgesamt recht oberflächlich. Wohl auch, weil Pratt nicht gerade als tiefschürfender Charakterdarsteller geboren wurde. Berührend ist dennoch das ebenfalls in den Blick geratende Verhältnis zwischen Star-Lord und seinem Ziehvater Yondu (Michael Rooker), der Peter einst nach dem Krebstod der Mutter unter seine Fittiche genommen hat.

Wie im Ursprungsfilm spielt Gunn mit der Anziehung zwischen Quill und der Alien-Kämpferin Gamora (Zoe Saldana), die immer dann, wenn der Kitsch überhandzunehmen droht, ironisch gebrochen wird. Eine nette Abwechslung zu all den handelsüblichen Romanzen, die man sonst im Mainstream-Kino über sich ergehen lassen muss. Größeres Augenmerk als im Vorgänger richtet "Guardians of the Galaxy Vol. 2" auf die hasserfüllte Beziehung zwischen Gamora und ihrer Schwester Nebula (Karen Gillan), wobei sich Letztere als gekränkte Seele entpuppt, der man irgendwann Sympathien entgegenbringen kann. Für Situationskomik und launige Sprüche sorgen erneut vor allem der unreflektierte Hüne Drax (Dave Bautista) und der vorlaute Waschbär Rocket (Originalstimme: Bradley Cooper), dessen riskanter Diebstahl die Antiheldentruppe gleich zum Einstieg in Schwierigkeiten bringt.

Der Überraschungseffekt des Erstlings mag größtenteils verpufft sein und auch die Witze wirken manchmal etwas aufgewärmt. Langweilig wird es jedoch nicht, da Gunn zahlreiche Ideen aus dem Ärmel schüttelt, die Charme versprühen und für Lacher gut sind. Beispielhaft ist in diesem Zusammenhang der niedliche Spross Baby Groot (Originalstimme: Vin Diesel), der dem gleichnamigen Baumwesen aus dem ersten Teil entstammt und den anderen Guardians wiederholt die Schau stehlen darf. Ein herrlich-absurder Moment der Ausgelassenheit wird dem kleinen Racker schon am Anfang geschenkt, wenn er zu groovigen Klängen das Tanzbein schwingt, während seine Freunde im Hintergrund mit einem Monster kämpfen.

Die Actionszenen sind temporeich und mitreißend. Abermals reisen wir durch knallbunte Weltraumszenarien, in denen man sich verlieren kann, auch wenn die Optik weniger ambitioniert daherkommt als im vierzehnten Marvel-Streifen "Doctor Strange", der mit seinen teilweise berauschenden Bildern neue Maßstäbe in der beliebten Superheldenreihe setzte. Da die Chemie zwischen den Figuren noch immer stimmig ist, der Antagonist im neuen Abenteuer etwas prägnanter ausfällt und Gunn erneut fetzige Musikstücke aus den Achtzigern verwendet, kann man mit etwas Wohlwollen darüber hinwegsehen, dass die Handlung, wie schon 2014, nicht zu den großen Stärken des Scifi-Spektakels zählt.

Fazit: Leichte Abnutzungsspuren sind erkennbar, bringen den Film aber nicht ins Straucheln. "Guardians of the Galaxy Vol. 2" ist kurzweilig und unterhaltsam, weshalb es auch dieses Mal – allerdings mit einem zugedrückten Auge – für vier Sterne reicht.




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