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Hacksaw Ridge
Hacksaw Ridge
© Universum Film

Kritik: Hacksaw Ridge (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Hacksaw Ridge" eilt ein Ruf voraus: Denn einerseits ist der Kriegsfilm die fünfte Regiearbeit von Mel Gibson, einem der umstrittensten Filmemacher Hollywoods. Zum anderen hat sich bereits ein internationaler Chor von Kritikern gebildet, der Gibsons neuen Film in höchsten Worten lobt. Von einem erfolgreichen Comeback wird da ebenso gesprochen wie von möglichen Oscar-Auszeichnungen – und immer wieder auch von Authentizität und Realismus.

Aber von vorne: Gibson erzählt in "Hacksaw Ridge" beruhend auf wahren Begebenheiten von einem Mann, der, ohne eine Waffe in die Hand zu nehmen, im Zweiten Weltkrieg zum Helden wird. Dramaturgisch wird diese unglaubliche Prämisse ebenso schlüssig wie konventionell aufbereitet: Eine traumatische Kindheitserfahrung prägt die Psyche des Protagonisten auf entscheidende Weise und bildet den Grundstein für die folgende Story. Diese beginnt als banale, mitunter kitschige Liebesgeschichte, bevor die sympathische Hauptfigur in die Maschinerie des Krieges gerät. Die Schrecken des Ausbildungslagers sind vergleichsweise gering, dank eines stark spielenden Vince Vaughn als Drill Instructor aber als Kontrast zur Romanze deutlich spürbar.

Das Herzstück von "Hacksaw Ridge" bildet jedoch der Krieg selber. Gibson inszeniert die Schlacht von Okinawa als wuchtiges Gemetzel, in dem Gedärme zerfetzt werden und Schädel platzen. In seiner unerbittlichen Konsequenz ist dieses blutige Schlachtengemälde für schwache Gemüter wohl nur schwer zu ertragen. Zugleich sind diese Szenen so virtuos und technisch perfekt gefilmt, dass man sich ihrer Intensität schwer entziehen kann.

Aber ist diese filmische Illusion mit all ihren grausigen Details tatsächlich dazu in der Lage, Krieg authentisch wiederzugeben? Bezeichnend ist, dass diejenigen, die vom Realismus des Films schwärmen, persönlich wohl nie inmitten einer tobenden Schlacht gestanden haben. Als Referenzpunkt zur Beurteilung der Wahrhaftigkeit von "Hacksaw Ridge" wird stattdessen immer wieder Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan" (1998) bemüht. Dass man schon bei Spielberg kritisieren konnte, wie naiv und manipulativ hier pathetische Vorstellungen vom Kriegstreiben bedient wurden, fällt dabei unter den Tisch.

Und so scheitert auch Gibson daran, drängende Fragen aufzuwerfen oder das Publikum zu eigenen Gedanken zu animieren. Dafür hält "Hacksaw Ridge" seine Zuschauer zu fest im Würgegriff und entlässt sie mit der banalen Einsicht, dass der Krieg wohl schrecklich sein muss. Dass dieses Grauen weitaus tiefer dringt als der viszerale Nervenkitzel, den Gibson so beeindruckend auf der Leinwand zelebriert, scheint leider nicht selbstverständlich zu sein.

Fazit: Mel Gibsons fünfte Regiearbeit bietet ein virtuos inszeniertes Schlachtengemälde voller Gedärme, Blut sowie mit einem sehenswerten Vince Vaughn. "Hacksaw Ridge" bedient dabei allerdings lediglich von Hollywood geprägte Vorstellungen über Krieg und Heldentum, ohne drängende Fragen aufzuwerfen. Statt das Publikum zum Nachdenken anzuregen, hält Gibson es mit pathetischer Wucht und viszeralem Nervenkitzel im Würgegriff.





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