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Bros Before Hos
Bros Before Hos
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Bros Before Hos (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren dieser deftigen Komödie, Steffen Haars und Flip Van der Kuil, haben sich im Bad-Taste-Genre bereits als Schöpfer der "New Kids"-Fernsehserie und -Spielfilme einen Namen gemacht. Im gleichen vulgären Stil, der dem sittlichen Empfinden grob auf die Füße tritt, erzählen sie eine romantische Komödie, die nach klassischem Muster zwei eingefleischte Junggesellen zum Erwachsenwerden zwingt.
Eine Bromance wie diese, also ein Buddy-Movie, in dem sich die Männer emotional nahestehen, verspricht häufig Spaß in Form von Party-Exzessen. Die findet man hier ebenso wie viele andere Zutaten, die um One-Night-Stands und feuchte Fantasien kreisen. Vor lauter Appetit auf Sex haben die Brüder kaum mehr freie Hirnkapazität für andere Themen. Und natürlich sind die spaßverliebten Helden in Wahrheit ziemliche Loser, die aus ihrer verlängerten Kindheit dringend gerettet gehören. Vor allem der ernste Liebeskummer, den Max wegen Anna durchleidet, ist in Kombination mit den ordinären, provokant unkorrekten Anteilen der Geschichte schön kontrastreich und dadurch spannend. Auch der krude Prolog überzeugt, in dem den Brüdern im zarten Kindesalter der handfeste Ehestreit der Eltern nur so um die Ohren fliegt – was möglicherweise eine Wirklichkeit abbildet, die in seriöseren Filmen lieber unter den Teppich gekehrt wird.

Die üblichen Zoten, auch in Gegenwart einer Oma und ihrer kleinen Enkelin, der Kotz-Slapstick und die Neigung selbst braver Erwachsener, im Zorn ungehemmt zu fluchen, garantieren an sich nicht durchgehend aufregende Unterhaltung. Es gibt auch Passagen, die eher aussageschwach sind, wie die vielen Disko-Szenen am Anfang. Aber im Großen und Ganzen stimmt die Atmosphäre dann doch. Max' Eifersucht auf seinen Bruder wirkt glaubhaft und ist gut gespielt. Tim Haars, der bereits in den "New Kids"-Filmen auftrat, beherrscht die leisen Töne ebenso wie die trocken-provokante Komik. Eine gelungene Nebenrolle stellt die Figur von René dar: Dieser sensible Mitläufertyp kommt zwischen alten Gewohnheiten, wie der Freundschaft mit den Brüdern, und seiner Liebesbeziehung heftig ins Schleudern.
Den kernigen Eindruck, den die Komödie macht, verstärkt die Nebenhandlung mit einer Gruppe geistig Behinderter, die gerne Theater spielen. Das tun sie auch im Abspann noch bis zum Abwinken, indem sie gewalttätige Filmszenen nachspielen. Insgesamt ist die Komödie also tatsächlich ein unterhaltsames Beispiel für schlechten Geschmack.

Fazit: Die Buddy-Komödie über eine von der Liebe zu einer Frau bedrohte Junggesellenidylle schockiert recht unterhaltsam mit ihrem deftigen schlechten Geschmack, dem ein paar ernsthafte emotionale Töne das nötige Gegengewicht verleihen.





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