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Leviathan
Leviathan
© Sony Pictures Classics

Kritik: Leviathan (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Sechs Jahre lang hat Regisseur Andrei Zvyagintsev an seinem Film "Leviathan" gearbeitet. Am Ende erhielt er für seine bitterböse Parabel auf das heutige Russland in Cannes den Drehbuchpreis, einen Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film und eine Oscarnominierung.

In "Leviathan" erzählt Zvyagintsev von dem Automechaniker Kolia (Alexei Serebriakov), der mit seiner Frau Lilya (Elena Lyadova) und seinem Sohn Roma (Sergey Pokhadaev) in einer kleinen Küstenstadt im Norden Russlands lebt. Er arbeitet als Automechaniker und wohnt auf einem kleinen Anwesen auf einem Hügel, das seiner Familie schon seit Generationen gehört. Von dort aus hat er einen atemberaubenden Blick auf den Barentsee – und aus diesem Grund hat der korrupte Bürgermeister Vadim Cheleviat (Roman Madyanov) ein Auge auf das Grundstück geworfen. Er will sich dort selbst ein Haus bauen. Also ordnet er die Zwangsenteignung an. Kolja lässt sich diese Willkür jedoch nicht gefallen und zieht vor Gericht. Hilfe bekommt er von seinem Jugendfreund Dmitri (Vladimir Vdovichenkov), der nach der Armee Anwalt wurde. Jedoch scheint er gegen Vadim und dessen Beziehungen keine Chance zu haben.

Schon am Anfang von "Leviathan" wird die Koljas Ohnmacht deutlich: Zu sehen ist eine Richterin, die die Sätze des Urteilsspruchs wie eine aus einer Maschinenpistole abfeuert. Das Tempo ist ungeheuer hoch, so dass man den Sätzen kaum folgen kann. Die Botschaft ist indes klar: Der Bürgermeister gewinnt, Kolja verliert. Jedoch belässt es Andrei Zvyagintsev in seinem Film nicht bei der einfachen Geschichte eines kleinen Mannes, der gegen einen großen, übermächtigen Staat kämpft, sondern legt ihn weitaus differenzierter an. Es finden sich viele Metaphern und Assoziationsketten, darüber hinaus sind die Figuren vielschichtig. Kolja ist ein Trinker und schlägt sein Kind, sein Anwalt beginnt ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau und Bürgermeister Vadim ist lediglich ein Rädchen in einem zutiefst korrupten System. Dadurch zeichnet der Film ein bitterböses, düsteres und fast schon resignatives Bild des heutigen Russland, in dem Vetternwirtschaft, Ausweglosigkeit und Alkoholkonsum den Alltag dominieren. Aber "Leviathan" vereint diese Gesellschaftskritik mit düsterem Humor und Uneindeutigkeiten, die der Ambivalenz des Alltags in Russland Ausdruck verleihen.

Daneben überzeugt "Leviathan" wie schon Andrei Zvyagintsev Debütfilm "Die Rückkehr" mit einer atemberaubenden Bildsprache. Kameramann Mikhail Krichman fasst den archaischen Landstrich im Norden Russland ist einzigartige Bilder voller Schönheit, die den Film zu einem visuellen Ereignis werden lassen. Am Ende kehrt der Film dann zu jener Richterin vom Anfang zurück, sie verkündet abermals einen Urteilsspruch. Dazwischen liegen jedoch über zwei Stunden atemberaubenden Filmgenusses, in denen das Leben eines Mannes unaufhaltsam bergab gegangen ist.

Fazit: "Leviathan" ist eine bildgewaltige, vielschichtige Parabel über das Leben in Russland.





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