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Kritik: Remedy (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die demnächst in unsere Kinos kommende Verfilmung des Soft-SM-Bestsellers "50 Shades of Grey" wirft bereits ihre Schatten voraus. Jetzt, wo plötzlich ein Massenpublikum an dem ehemaligen Tabuthema BDSM interessiert ist, kommen auch andere Filme mit dieser Thematik auf die Große Leinwand. Allerdings dürfte "Remedy" sowohl optisch, als auch inhaltlich so ziemlich das Gegenteil von "50 Shades of Grey" darstellen.

Statt einer glatt-schwülstigen Erotik-Atmosphäre mit pikantem SM-Touch bedient sich Cheyenne Picardo in ihrem Regie-Debüt "Remedy" eher dem Stil des Cinema verité, wie man ihn zuletzt ganz ähnlich in "National Gallery" gesehen hat. Der authentische Look wird durch das sichtbar geringe Budget zusätzlich verstärkt. Der überwiegend im Keller der Eltern der Filmemacherin entstandene Film wurde mit einer billigen Digitalkamera gedreht. Die Handlung besteht überwiegend aus einer lockeren Folge von "Sessions".

Cheyenne Picardo zufolge basiert ihr Film auf persönlichen Erfahrungen. Sie selbst ist in der New Yorker BDSM-Szene aktiv und hat auch schon selbst in einem SM-Studio gearbeitet. Die Autorin und Regisseurin von "Remedy" meint, dass es inzwischen zwar überall in den Medien BDSM-Szenen zu sähen gäbe, diese jedoch nur eine Seite dieses Themas darstellen würden. Was bisher fehlt, seinen z.B. Filme über die zahlreichen Personen, die wie Remedy aus ganz banalen Gründen in dieses Metier geschlittert sind.

Der Regisseurin fehlen Darstellungen von Studentinnen, die sich zuerst nur in den Sommerferien schnelles Geld hinzuverdienen wollten und anderen Frauen, die selbst nicht aus "der Szene" kommen. Wie erleben solche Menschen die Tätigkeit in einem SM-Studio, in dem sie gegen Geld für eine Stunde die Kontrolle an den Kunden abgeben? Wie sehr kann solch eine Sklavin ihre persönlichen Gefühle von ihrer professionellen Tätigkeit trennen? Das sind spannende Fragen, denen "Remedy" auf feinfühlige Weise nachgeht.

In der Hauptrolle überzeugt die selbst der BDSM-Szene fremde Kira Davies als Remedy. Ihr gelingt es glaubhaft zu vermitteln, wie eine kluge und zugleich naive junge Frau in ein SM-Studio hineinstoplpert und dort von ihren abgebrühten Kolleginnen angelernt wird. Wie bei anderen Jobs auch wird dort in den Arbeitspausen geflucht und gelästert und so manche amüsante Anekdote über besonders ausgefallene Kunden erzählt.

Die Kunden und infolge dessen auch die Sessions sind denkbar unterschiedlich: Manche Kunden sind nett und zuvorkommend, andere arrogant und abweisend und einige sind schlichtweg ein wenig verrückt. In allen diesen Szenen geht es jedoch um die sehr unterschiedlichen menschlichen Begegnungen.

Wer dunkle Erotik oder gar Sex sehen will, sitzt bei "Remedy" eindeutig im falschen Film. Picardo bietet einen Einblick in eine Welt, die aufregend anders und zugleich ähnlich banal, wie andere Arbeitswelten auch ist.

Fazit: "Remedy" ist authentisch, ehrlich, anders, banal und überraschend und bietet einen Einblick in die professionelle SM-Welt, wie man ihn noch nicht gesehen hat.




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