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High Performance - Mandarinen lügen nicht
High Performance - Mandarinen lügen nicht
© W-Film

Kritik: High Performance - Mandarinen lügen nicht (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In ihrem Spielfilmdebüt wirft Johanna Moder einen tragikomischen Blick auf die Widrigkeiten des Kapitalismus. Ihre drei Protagonisten schwanken zwischen persönlicher Freiheit und monetären Zwängen. Das Verhältnis von Arbeit und Privatleben ist aus der Balance. Da ist Daniel (Marcel Mohab), dem die Schauspielerei wichtiger ist als sein finanzielles Auskommen, und der dann doch einem Angebot seines Bruders Rudi (Manuel Rubey) erliegt. Für 2000 Euro Honorar willigt er ein, Rudis Angestellte Nora (Katharina Pizzera) für einen öffentlichen Auftritt zu coachen. Auch Nora hat sich verkauft, genauer gesagt ihre kleine an Rudis größere IT-Firma. Doch dort fühlt sie sich nicht gut aufgehoben. Im Verlauf des Films liebäugelt Nora mit einem Ausstieg. Und Selbst der nach außen hin aalglatte Geschäftsmann Rudi hadert. Auch er ist überfordert. Seine Klage über den ständigen beruflichen Druck ist echt. Doch Rudi steckt bereits zu tief drin in der Maschinerie. Also spielt er ein perfides Spiel, um weiter nach oben zu kommen.

Den Druck des Berufslebens nehmen die Protagonisten mit nach Hause, übertragen ihn aufs Private. "High Performance" entwirft eine Welt, in der die Menschen verlernt haben, selbst hinter verschlossenen Türen sie selbst zu sein. Überall zählt nur noch Höchstleistung – auch darauf bezieht sich der Filmtitel. Nora beschreibt es an einer Stelle so: Sie habe das Gefühl, als ob sie in der Öffentlichkeit permanent eine Maske trage, um anderen zu gefallen. Wenn sie diese einmal abziehe, dann nur, um die nächste Maske aufzusetzen. Die Verunsicherung, die daraus resultiert, ist Nora anzumerken, ebenso Daniel und Rudi. Wie angeknockte Boxer taumeln die drei durch diesen Film.

Moder setzt das beinahe dokumentarisch um. Robert Oberrainers Kamera rückt nah an die Protagonisten heran, drängt sich jedoch nie in den Vordergrund. Moders Inszenierung, ihre Verwendung von Kamera, Schnitt und Mise en Scène, ist in einem positiven Sinn unauffällig. "High Performance" konzentriert sich auf seine Darsteller und die kommen der im Filmtitel genannten Höchstleistung sehr nah, ohne ihr Spiel in irgendeine Richtung zu übertreiben.

"High Performance" ist ein leiser Film, in dem die Zwischentöne entscheiden. Das liegt auch an Moders Dialogen. Wenn sich Daniel, Rudi und Nora unterhalten, dann wirkt das nicht gekünstelt, sondern aus dem Leben gegriffen, als hätte Oberrainer einfach seine Kamera irgendwo auf die Straße oder in ein Café gestellt und mitlaufen lassen. Doch Moder geht noch einen Schritt weiter. Präzise seziert sie die Sprache der verschiedenen Milieus, die im Film ihren Platz haben, und spielt deren Vokabular gegeneinander aus. Wenn der Schauspieler auf den Anzugträger trifft und sich Rudi vor seinem Bruder in Floskeln flüchtet, von "high potential", von der Verschmelzung "kreativer Kulturen" und von "Mitfightern" salbadert, werden daran nicht zuletzt die Oberflächlichkeit, die Austauschbarkeit und die Hilfslosigkeit ganzer Lebensentwürfe sichtbar.

Moder erzählt das sehr komisch mit einem feinen, hintersinnigen Humor. Angesichts der emotionalen Verkrüppelung ihrer Hauptfiguren stimmt einen "High Performance" aber auch nachdenklich. Einseitige Kapitalismuskritik ist "High Performance" nicht. Die Welt der Globalisierungsgegner und Umweltaktivisten entlarvt Moder ebenso als Lug und Trug wie die Theater- oder die Geschäftswelt. Am Ende ist Daniel selbst nicht besser als Rudi – und ebenso allein.

Fazit: Tragikomödie über den ganz normalen (Arbeits-)Alltag dreier Wiener, die durch hintersinnigen Humor, lebensnahe Charaktere und überzeugende Dialoge besticht.




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