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Iraqi Odyssey
Iraqi Odyssey
© Dschoint Ventschr Filmproduktion AG

Kritik: Iraqi Odyssey (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem Dokumentarfilm verknüpft der Regisseur Samir seine eigene Familiengeschichte mit der bewegten Historie seiner irakischen Heimat. Dafür greift er ebenso auf Archivaufnahmen, Ausschnitte aus Spielfilmen, private Fotos aus dem Familienalbum wie auf die Erzählfreude seiner Verwandten zurück. So entsteht eine lebendige und höchst informative Collage, die sich darum bemüht, ein komplexeres Bild vom Irak zu vermitteln, als es den aktuellen Nachrichtenbildern von Terroranschlägen und Verwüstungen gelingt.

Im Vergleich zu der auf internationalen Festivals gezeigten Fassung, startet "Iraqi Odyssey" in einer auf rund 90 Minuten gekürzten Fassung und ohne 3D-Effekt in den deutschen Kinos, was der Produktion eindeutig zugutekommt: Die drei Stunden dauernde Originalfassung überfordert bisweilen allein aufgrund in ihrer schieren Länge und das 3D ist hier nicht mehr als ein Gimmick, auf das sich gut verzichten lässt. Dennoch neigt auch die gekürzte Fassung nach wie vor zum ermüdenden Ausufern und zu unnötigen visuellen Spielereien.

Der verzweigten, sich über Jahrzehnte erstreckenden Geschichte zu folgen ist dabei nicht immer leicht, der Dokumentarfilm springt abrupt zwischen Zeiten und Orten, zwischen Fakten und mythologischen Analogien und lässt dabei selten Raum zum Reflektieren oder für einen emotionalen Nachhall. Im Sekundentakt wird hier ein- und ausgeblendet, Talking Heads verschwinden nach einem Satz in den Bilderfluten aus alten Fotografien und Computeranimationen.

So erweckt "Iraqi Odyssey" mitunter den Eindruck einer etwas chaotischen Dia-Show und wirkt in der Anwendung seiner filmischen Mittel überfordert. Wo der erzählerische Fokus fehlt und der Schnitt auf ganzer Linie versagt, da bieten lediglich die charismatischen Protagonisten etwas Halt und Orientierung. Ihr von persönlichen Erfahrungen geprägtes Erzählen macht Samirs Dokumentarfilm letztlich sehenswert und zeigt zugleich umso bedauernswerter, dass der Filmemacher keinen gelungenen narrativen Rahmen für die Geschichten seiner Familienangehörigen findet.

Fazit: Der informative Dokumentarfilm erweist sich vor allem dank der Erzählungen seiner Protagonisten als sehenswert. Bedauernswert ist hingegen, dass es Regie und Schnitt nicht gelingt, einen gelungenen narrativen Rahmen zu schaffen und der Film sich mitunter in visuellen Spielereien verliert.





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