VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Ein Neues Leben
Ein Neues Leben
© Kairos Film

Kritik: Ein Neues Leben (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Ein neues Leben" beginnt mittendrin: Mitten in der Euro-Krise, mitten in der persönlichen Tragödie der Protagonistin Adele und auch mitten in einem kleinen, in Süditalien angesiedelten Kosmos aus vielfältigen Figuren. Während der Ernst der Lage sofort ersichtlich wird, braucht es einige Szenen, bis man sich als Zuschauer in dieser Welt zurecht findet und versteht, wie die Beziehungen der Figuren zueinander sind. Doch das ist kein Problem, denn diese Zeit gibt der Regisseur Edoardo Winspeare seinem Publikum: Etwas mehr als zwei Stunden dauert sein Drama nämlich und entwickelt dabei behutsam und ohne Hast seine Themen sowie Konflikte.

Die gelassene Dramaturgie sowie das Fehlen von musikalischer Untermalung lassen "Ein neues Leben" oftmals wie einen Dokumentarfilm erscheinen, der eher geduldig beobachtet statt das Geschehen zu pointieren. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die Schauspieler, die allesamt Laien und zudem Einheimische der Ortschaft sind, in der Winspeare sein Drama angesiedelt hat. Betrachtet man das Ergebnis, zahlen sich diese künstlerischen Entscheidungen definitiv aus. Denn dem Regisseur gelingt dank autobiografisch geprägter Geschichten der Zugriff auf authentische Erfahrungen seiner Darsteller sowie eine beeindruckende Lebensnähe.

Neben dieser bemerkenswerten, aber einiges Sitzfleisch vom Publikum fordernden Errungenschaft, bietet "Ein neues Leben" aber auch zahlreiche Eindrücke, die unmittelbarer wirken, als dieses sich langsam entspinnende Beziehungsgeflecht von authentischen Figuren: Die wunderbaren Aufnahmen, die Kameramann Michele D'Attanasio von der apulischen Landschaft gelungen sind, oder der feine Humor, der dieses nachdenkliche Drama durchzieht, sorgen für die nötige Kurzweil, um diesen etwas zu langen Film gut durchzustehen.

Fazit: In seinem dokumentarisch anmutenden Film entwickelt der Regisseur Edoardo Winspeare behutsam und ohne Hast eine komplexes Drama. Authentische Laiendarsteller, lebensnahe Figuren, wunderbare Landschaftsaufnahmen sowie ein feiner Sinn für Humor lassen dabei fast vergessen, dass "Ein neues Leben" ein wenig zu lang geraten ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.