VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Dope (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Malcolm (Shameik Moore) ist nicht gerade der coolste Typ an seiner Highschool – er ist für seine Mitschüler alles andere als "dope". Vielmehr frönt er mit seinen Freunden Diggy (Kiersey Clemons) und Jib (Tony Revolori, "Grand Budapest Hotel") seiner Leidenschaft für HipHop aus den 1990er Jahren, sie spielen in einer Punk-Rock-Band, tragen Klamotten, die an diese Zeit erinnern, fahren BMX-Räder und bevorzugen High-Top-Frisuren. Sie sind Geeks, Außenseiter in dem Gangland, das "The Bottoms" genannt wird, und in Inglewood, Kalifornien liegt. Außerdem träumt Malcolm von einem Studium in Harvard – und bis dahin will er in dem Viertel voller Dealer und Krimineller überleben und sich möglichst selten seine Turnschuhe abzocken lassen. Aber auch Malcom ist letztlich ein Teenager und kann daher einer Einladung des örtlichen Drogenbosses Dom (Rakim Mayers) in einen angesagten Club nicht widerstehen, weil er dort seiner aus der Ferne Angebeteten näher kommen könnte. Tatsächlich scheinen die Freunde dort die Nacht ihres Lebens zu verbringen – bis es zu einer Razzia kommt und Dom Drogen in Malcolms Rucksack versteckt. Schließlich würde niemand Malcolm und seine Freunde verdächtigen – abgesehen von einem anderen Dealer, der sich daraufhin an ihre Fersen heftet. Und ehe sich die Freunde versehen, befinden sie sich in einem Drogenkleinkrieg, der nicht nur ein genaues Porträt ihres Viertels ermöglicht, sondern zudem auch ziemlich unterhaltsam ist.

Bereits beim Sundance Filmfest 2015 konnte "Dope" die Zuschauer begeistern, danach wurde der Film unter anderem in Cannes in der Nebenreihe Quinzaine des Réalisateurs und beim Filmfest München gezeigt. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass dieser Film nun auch regulär in die Kinos kommt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen US-amerikanischen Indie-Komödien und Coming-of-Age-Filmen, die hierzulande laufen, steht in "Dope" keine angehende oder gescheiterte weiße empfindsame und/oder künstlerische Seele im Mittelpunkt, die sich in hippen Retro-Wohnungen und –Cafés auf der Suche nach sich selbst befindet, sondern ein afro-amerikanischer Junge, der bei seiner Mutter aufwächst und dessen wenig privilegierter Alltag von Drogen, Gewalt, Chancenungleichheit und bestimmt ist. Doch davon wird in "Dope" weder im Rahmen eines Sozialdramas oder harten Drogenthrillers erzählt, sondern als gefällige Teenagerkomödie, die die bittere Realität nicht ausblendet. Vielmehr gelingt es Regisseur Rick Famuyiwa, die Probleme und Vorurteile durch witzige Dialoge und viel Flair nahezu schon subversiv komisch zu vermitteln. Als Malcolm zum Beispiel in seinem Bewerbungsessay für die Uni nicht über sein armes Dasein als Kind einer alleinerziehenden Mutter im Ghetto schreiben will, sondern sich für einen Text über Ice Cube entscheidet, wird er vom Direktor mit dem Hinweis auf den Boden der Realität zurückgeholt, dass er ja wohl nicht glaube, er käme nach Harvard – schließlich stamme er aus Inglewood. Es gibt wahnwitzige Dialoge über den Gebrauch des N-Wortes – oder Missverständnisse, die aufgrund des unterschiedlichen Slangs für Drogen entstehen. Und wie es sich für einen Coming-of-Age-Film gehört, steht dann am Ende die leise Hoffnung, dass es auch für die Außenseiter auf dieser Welt einen Platz gibt.

Fazit: "Dope" ist ein sehr sehenswerter Coming-of-Age-Film.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.