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Entertainment
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© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Entertainment (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Indie-Drama des amerikanischen Regisseurs Rick Alverson ("The Comedy") erzählt von einem Comedian, der sich durch die Niederungen des Showbusiness quält. Sein künstlerischer und moralischer Abstieg ist zwar traurig, aber auch eine bissige satirische Abrechnung mit dem Unterhaltungsgeschäft und der weitverbreiteten Fortschrittsgläubigkeit. Der Hauptdarsteller Gregg Turkington spielt die von ihm selbst erschaffene Figur des Stand-Up-Comedians Neil Hamburger, in die er sich seit vielen Jahren auf der Bühne verwandelt.

Im Film ist Neil immer abwechselnd während seiner Show und als Privatperson zu sehen. Fast könnte man meinen, dass es sich dabei um zwei verschiedene Menschen handelt. Wenn Neil durch die Hotelflure schleicht, über Land fährt oder Sehenswürdigkeiten besucht, ist er ein stummer, verloren wirkender Mann. Es lässt sich nur erahnen, was ihn alles frustriert – die mangelnde Inspiration, die fehlenden Beziehungen -, aber auf der Bühne verwandelt sich seine Traurigkeit in Wut und Aggression. Seine Sketche sind ziemlich menschenverachtend, aber er schleudert Störern im Publikum und auch diesem als Ganzes seinen Hass auch direkt entgegen.

Mit der Zeit wirft dieser Trip ins eigene Verderben natürlich die Frage auf, warum Neil unbedingt noch Comedian sein will oder muss. Der Film beantwortet sie nicht, sondern stellt die existenziellen Widersprüche und die schrägen Erfahrungen, die seinen Weg pflastern, als exemplarisch heraus. So sind Neils misslungene Sketche zwar vulgär und obszön, aber offenbar nicht so weit vom Massengeschmack entfernt, denn auch andere Entertainer bedienen sich einer derben Sprache. Und im Vergleich mit Cousin John, dem Unternehmer, der mit seinem Flieger, seinem Haus und seinen Ländereien in der Einöde protzt und vom Wachstumspotenzial schwafelt, wirkt der deprimierte Neil richtig normal.

Neils Trip gestaltet sich zunehmend dramatisch und auch verworren, wenn sich Tagtraumsequenzen unter die Handlung mischen und der Zuschauer die Orientierung über die zeitliche Abfolge der Szenen oder deren Realitätsgehalt verliert. Die kurzen menschlichen Kontakte Neils werden durch Filmschnitte abrupt gekappt, wie um ihr Scheitern vorwegzunehmen oder den schleichenden Realitätsverlust des Charakters zu demonstrieren. Oft leistet diesem nur der reiche Soundtrack Gesellschaft, wobei die emotionalen, zum Teil dissonanten Klänge die Atmosphäre der Einsamkeit nur verstärken. Alverson hält einem Amerika den Spiegel vor, das vom Glanz besserer Tage zehrt und die Realität vernachlässigt.

Fazit: Das tragikomische Independent-Drama von Rick Alverson begleitet einen ausgebrannten Comedian auf seiner Tour durch die kalifornische Wüste. Der misanthropische Hauptcharakter verkörpert die Verwerfungen eines Showbusiness, in dem sich lauter Namenlose oder Vergessene tummeln, und führt durch eine Provinz, die vom Niedergang gezeichnet ist. Trotz ihres depressiven Tonfalls verfügt die eigenwillig-schräge Geschichte auch über viel satirischen Biss.




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