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Art Girls
Art Girls
© Bfilm Verleih EYZ Media

Kritik: Art Girls (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Filmemacher und Universitätsprofessor Robert Bramkamp hat mit zeitweise bis zu 200 Helfern eine von Science Fiction durchsetzte Satire auf den Kunstbetrieb inszeniert. Der Film wird sechs Monate lang auf Kinotournee durch verschiedene deutsche Städte gehen. Er ist Teil eines crossmedialen Projekts, zu dem auch das Angebot eines Online-Kurses über neue Techniken filmischen Erzählens gehört. Der zweistündige Film ist ein flammendes Plädoyer für die "experimentelle Produktionskultur", die Bramkamp fordert, das heißt, den Zuschauer erwartet eine wilde, halb geskriptete, halb improvisierte Mischung aus Performance, Animation und Drama. Kunst und Mensch, Objekt und Leben sind in ständiger Verbindung, so wie es auch Nikitas Glücksprophezeiungsmaschine – eine von der bildenden Künstlerin Susanne Weirich geliehene Installation – verlangt. Dia-Projektionen von Tarotkarten mischen sich mit Schatten von Personen. Die Bedeutung der Karten beeinflusst jeweils für eine Zeit die Handlung.

Der Film ist gespickt mit philosophischen Gedanken zu ganz verschiedenen Themen wie dem Verhältnis der Geschlechter, finanzieller Abhängigkeit, virtueller Realität und kollektiver Kreativität, wie sie nicht zuletzt das Internet ermöglicht. Auf Menschen, die im weitesten Sinne kunstinteressiert sind, kann das alles sehr anregend und spannend wirken. Ungefähr im letzten Viertel jedoch entsteht der Eindruck, in einer Endlosschleife gefangen zu sein. Vielleicht ist das auch eine wichtige Erkenntnis dieses Versuchs an der Schnittstelle von Performance-Kunst und Film: Im Kino oder am Bildschirm erwartet man einen erzählerischen Spannungsbogen, während das künstlerische Ausdrucksbedürfnis an sich ja keine Grenzen kennt.

Männliche Naturwissenschaftler erschaffen Menschen mit Superkräften, Künstlerinnen wollen etwas bewirken. Was mit vereinten Anstrengungen herauskommt, ist eine blaue Sonne, die auf Leute scheint, die nicht gefragt wurden. Es folgt ein Katastrophenteil und danach wird es wieder friedlich, weil die Menschen Nikitas Geschichte selbst weiterspinnen, zusammen gerne kreativ sind. Das Satire-Element äußert sich in selbstironischen Kommentaren über die Ratlosigkeit von Künstlern und ihre Sehnsucht nach Einfluss. Ebenso interessant wie die thematische Ebene sind die Stilmittel: Von Animationen, leuchtenden Regenwürmern bis zu Kunst-Performances wird ein bunter Mix gestalterischer Mittel und Ideen geboten. Schön, dass es solche Filme gibt, die sich über die neuen Einsatzmöglichkeiten und Ausdrucksformen des Mediums spielerisch Gedanken machen.

Fazit: Der experimentelle Spielfilm von Robert Bramkamp setzt sich humorvoll mit dem Kunstbetrieb auseinander und bebildert seine philosophischen Gedanken mit einem originellen Stilmix. Ein interessantes, aber in seiner Eigenwilligkeit auch überlanges Kontrastprogramm zum gewohnten Kino.




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