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Sky - Der Himmel in mir
Sky - Der Himmel in mir
© Alamode Film

Kritik: Sky - Der Himmel in mir (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die 50-jährige französische Regisseurin Fabienne Berthaud und die aus Niedersachsen stammende Schauspielerin Diane Kruger sind ein eingespieltes Team. Bereits zwei Filme drehten die Beiden zuvor gemeinsam, bei "Sky" fungiert Kruger – die bald auch noch in dem Drama "Väter und Töchter" im Kino zu sehen sein wird – erneut als Muse von Berthaud. Seine Premiere erlebte der Film im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Toronto, nachdem die erste Klappe erst im Januar 2015 gefallen war. Weite Teile des Films wurden in der beeindruckenden Wüstenlandschaft des ‚Joshua Tree Nationalparks‘ gedreht, einer der größten Touristenmagnete und (aufgrund seiner martialischen Felsformationen) beliebtestes Kletter-Mekka des Bundesstaates Kalifornien.

Eines der größten Ärgernisse der deutschsprachigen Version des Films ist etwas, wofür das Werk an sich letztlich nichts kann und deshalb auch keinerlei Auswirkungen auf die qualitative Bewertung dessen hat: die Synchronstimme von Diane Kruger. Diese mindert den Gesamteindruck, da sie aufgrund ihres jugendlichen, süßlichen Klangs nicht wirklich zu einer gestandenen Frau in ihren späten Dreißigern passt. Inhaltlich stellt die ein wenig überraschungsarme und klischeehafte – vom Drang nach Freiheit bestimmte, verheiratete Frau verfällt geheimnisvollem, wortkargem Außenseiter mit Cowboy-Attitüde – Begegnung mit dem kernigen Irak-Veteranen Diego hingegen die einzige Schwäche dar. Darüber hinaus gefällt die melancholische Melange aus Liebesfilm, Selbstfindungs- bzw. Identitätssuche und modernem Western vor allem durch seine atmosphärischen, warmen Landschafts- und Naturaufnahmen sowie einer fulminant aufspielenden Hauptdarstellerin.

Da der Film Kruger auf den (wie man im Verlauf des Films noch sehen wird) betörenden Leib geschneidert wurde und diese sich mit einer nachdrücklichen One-Woman-Show und schauspielerischen Tour-de-Force bedankt, werden Erinnerungen an zwei andere, im Kern ähnlich gelagerte Filme der jüngeren Vergangenheit geweckt. In beiden trägt eine blonde Schauspielerin den Film und in beiden Filmen – eben wie auch in "Sky" – geht es um die Suche nach sich selbst, der eigenen Identität und letztlich danach, was man eigentlich im Leben will: "Spuren" mit Mia Wasikowska (2013) und "Der große Trip – Wild" mit Reese Witherspoon (2014). Ganz so existenzialistisch wie genannte Filme gestaltet sich "Sky" freilich nicht, aber auch hier geht es ums Überleben in der großen weiten Welt, hier: im von endlosen Wüstenlandschaften durchzogenen und von allerlei schrillen Gestalten bevölkerten Flächenstaat Nevada. Sie begegnet weisen Ureinwohnern, alternden Prostituierten und einsamen Cowboys und schlägt sich von Motel zu Motel durch.

Im Laufe der Zeit durchläuft sie eine Wandlung – innerlich wie äußerlich, die Kruger glaubhaft und einnehmend vor allem dank ihres facettenreichen Mimik-Spiels, verkörpert. Der Titel des Films, "Sky", dient nicht zuletzt vor diesem Hintergrund als Metapher. Der Himmel ist nicht statisch, er ist ständiger Veränderung und einem Wandel unterzogen – ebenso wie Romy. Diese Weisheit vermittelt ihr im Laufe des Films eine alte Indianerin. Es wird nicht die letzte Lektion sein, die die mutige Frau während ihrer Reise lernt.

Fazit: Von einer fabelhaften, facettenreich agierenden Diane Kruger getragene, melancholische Mischung aus Liebesfilm, Selbstfindungs- bzw. Identitätssuche und modernem Western.





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