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The Look of Silence
The Look of Silence
© Drafthouse Films

Kritik: The Look of Silence (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"The Look of Silence" ist der komplementäre Film zu "The Act of Killing". Beide Filme bilden dem Regisseur Joshua Oppenheimer zufolge ein größeres Gesamtwerk, bei dem jeder als Begleitfilm des jeweils anderen betrachtet werden kann. Bereits der zuerst ins Kino gekommene "The Act of Killing" faszinierte und schockierte gleichermaßen. Alles an diesem Film war vollkommen unglaublich. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass einer der größten Völkermorde des 20. Jahrhunderts bei uns bisher fast unbekannt war. Noch unglaublicher ist, dass die damaligen Täter nicht nur bis heute unbestraft blieben, sondern sogar weiterhin viele Schlüsselpositionen in der Indonesischen Gesellschaft innehaben. Völlig unfassbar ist vor allem, wie im Film einige ehemalige Massenmörder ihre damaligen Taten für eine Fake-Doku mit sich als strahlenden Helden und völlig frei von Schuldgefühlen neu inszenieren.

Das Perverse an der Situation, wie sie Oppenheimer im Land vorfand, besteht darin, dass die damals mit grenzenloser Grausamkeit vorgehenden Täter keineswegs abgetaucht sind, sondern sogar mit ihren bestialischen Taten unverhohlen prahlen, während die überlebenden Familienangehörigen der Opfer aus Angst zumeist bis heute schweigen. Diese Seite der Geschichte zeigt Oppenheimer jetzt in "The Look of Silence", der die Perspektive der Opfer offenlegt. Eine ebenso wichtige Rolle, wie dem Regisseur kommt hierbei dem Protagonisten Adi zu. Es ist fast unheimlich, wie ruhig Adi bei allen Gesprächen mit den Tätern bleibt, obwohl er dabei mit einer extrem bitteren Mischung aus Ignoranz, Grausamkeit und unverhohlenen Drohungen konfrontiert wird. Manchmal, wenn es besonders brutal kommt, muss Adi kurz innehalten und schlucken, wobei er sich manchmal sichtbar die Tränen verkneift. Trotzdem stellt er gleich im Anschluss die nächste noch tiefer bohrende Frage, um zu erkunden, ob nicht doch irgendwo eine Spur von Schuldbewusstsein vorhanden ist.

Wohlweislich verschweigt Adi bei allen Gesprächen seinen genauen Wohnort und den Namen seiner Familie, insbesondere dort, wo ihn ein ganz offen drohender Gesprächspartner, gezielt danach fragt. NIcht zu sehen ist im Film, dass Adi bei allen Gesprächen seinen Personalausweis Zuhause lässt und dass vor dem Grundstück immer ein Fahrer mit einem Fluchtwagen bereit steht. Auch ist sich Adi bewusst, dass er nach diesem Dreh mit seiner Familie aus Sicherheitsgründen in eine andere Gegend ziehen muss.

"The Look of Silence" ist seinem Titel entsprechend wesentlich leiser, als der oft martialische "The Act of Killing". Der Film besitzt zudem eine frappierend schöne Bildebene. Wenn Adis Mutter in ihrem Garten darüber klagt, was es bedeutet, hier zu leben, dann sieht paradoxerweise insbesondere der westliche Zuschauer ein Szenario, das geradezu paradiesisch wirkt. Dies trägt dazu bei, dass "The Look of Silence" trotz der Zurücknahme in seinen Mitteln, sogar noch intensiver, als "The Act of Killing" ist. Der erste Film zeigte den unglaublichen Horror des indonesischen Genozids; sein Nachfolger zeigt den Horror, der in ein Paradies eingedrungen ist und dieses in eine Hölle auf Erden verwandelt hat. - Der Abspann des Films zeigt an Stelle der indonesischen Mitarbeiter an "The Look of Silence" zumeist nur ein "Anonymus". So sieht das Schweigen aus.

Fazit: "The Act of Killing" war bereits ein extrem intensives Meisterwerk, der Nachfolger "The Look of Silence" stellt noch einmal eine deutliche Steigerung dar.





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