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Rosi, Kurt und Koni
Rosi, Kurt und Koni
© Stadtkino Filmverleih

Kritik: Rosi, Kurt und Koni (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Hanne Lassl porträtiert mit ihrem Dokumentarfilm drei funktionale Analphabeten und gibt Einblicke in deren Alltag. Kommentarlos begleitet die Kamera die Protagonisten dazu bei der Arbeit, beim Familienleben und vor allem beim Bewältigen von allerlei bürokratischen Hindernissen. Es ist ein durchaus mitfühlender und nachdenklicher Blick und dennoch vermeidet Lassl es, Rosi, Kurt und Koni zu verklären und aus ihren Geschichten rührselige Unterhaltung zu machen.

In den Interviewszenen werden zwar auch Themen wie Gewalt, Alkoholismus und schwierige Familienverhältnisse thematisiert, zu bloßen Opfern äußerer Umstände geraten die drei Analphabeten dabei nie: Anstatt anhand der Vergangenheit der Protagonisten eine Leidensgeschichte zu entwickeln, gilt der Fokus des Dokumentarfilms ganz dem Hier und Jetzt und dem Bemühen um mehr Selbstständigkeit. Der Blick auf das gesellschaftliche Umfeld von Rosi, Kurt und Koni entlarvt dabei die Vorstellung von einer allen gleichermaßen zugänglichen und verständlichen Welt, ebenso wird jedoch klar, dass die Protagonisten selber Fehler machen und dabei nicht unbedingt immer die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite haben.

Der Grat zwischen einer authentischen Annäherung und dem Bloßstellen der Analphabeten ist schmal und so manches Mal kann durchaus der Eindruck entstehen, dass Lassl ihre Protagonisten ungewollt vorführt und sogar auf sie herabschaut. So folgt die Kamera Rosi etwa ins Schlafzimmer und zeigt, wie sie vor dem Zubettgehen ihre Kuscheltiere sortiert, oder beobachtet Koni, als er gedankenverloren vor dem PC sitzt und Schlagermusik hört. Spätestens wenn dann beim Abspann ein rockiger Popsong ertönt, der mit Rosi, Kurt und Koni Lebenswelten so gar nichts zu tun hat, wird nicht nur eine geschmackliche Abgrenzung der Filmemacher spürbar, sondern ebenso eine überhebliche Distanz des Films zu seinem Sujet.

Fazit: Dieser Dokumentarfilm über drei Analphabeten verzichtet auf rührselige Anekdoten und begleitet seine Protagonisten auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit. Leider entsteht immer wieder der Eindruck einer überheblichen Distanz zum Sujet.




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