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Von Caligari zu Hitler
Von Caligari zu Hitler
© Real Fiction

Kritik: Von Caligari zu Hitler (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Das Herzstück dieses Dokumentarfilms von Regisseur und Filmkritiker Rüdiger Suchsland sind unbestritten die Ausschnitte aus Kinofilmen der Weimarer Zeit. In Katja Dringenbergs Montage, die mal illustrativ und mal assoziativ vorgeht, bündelt "Von Caligari zu Hitler" Szenen aus Ton- und Stummfilmen, zeigt noch einmal ins kollektive Gedächtnis eingebrannte Filmbilder und gewährt dem Publikum ebenso Einblicke in unbekannte und vergessene Werke. Begleitet wird der faszinierende Bilderstrom von Suchslands konzentriertem wie kenntnisreichem Kommentar, der stets leidenschaftlich, aber niemals pathetisch erzählt.

Eingeklammert von der Frage "Was weiß das Kino, was wir nicht wissen?" und auf den Spuren des Filmtheoretikers und Soziologen Siegfried Kracauer betrachtet Suchsland das Kino als gesellschaftlichen Spiegel, der Ängste, Wünsche und Alpträume gleichermaßen reflektiert. Simple Antworten liefert "Von Caligari zu Hitler" dabei nicht, vielmehr bietet der Film eine stimulierende Grundlage, um nicht bloß über die Spielfilme der Weimarer Republik, sondern über das Kino im Allgemeinen nachzudenken.

Erstaunlich ist zum Beispiel, wenn deutlich wird, wie viel das moderne Blockbusterkino dem deutschen Film der 1920er schuldet: Peter Lorres Darstellung eines innerlich zerrissenen Kindermörders in Fritz Langs "M – Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) etwa scheint schon den Gollum aus Peter Jacksons "Der-Herr-der-Ringe"-Saga vorwegzunehmen. Suchsland beweist aber nicht nur ein außerordentliches Gespür für vielsagende Filmausschnitte, die er aus dem Off einordnet, er lässt einzelne Szene zudem immer wieder für sich sprechen und macht somit die ganze Kraft des Kinos spürbar. Dass die sporadisch eingestreuten Interviewpassagen mit Filmemachern und Wissenschaftlern dem Dokumentarfilm nichts Wesentliches hinzufügen können und eher stören, ist ein kleiner Makel dieses großartigen Werks.

Fazit: Mit diesem kenntnisreichen und wunderbar montierten Dokumentarfilm regt der Regisseur und Filmkritiker Rüdiger Suchsland zum Nachdenken über das Kino an und macht in zahlreichen Ausschnitten die Kraft des Weimarer Kinos erfahrbar.




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