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Mollath - und plötzlich bist du verrückt
Mollath - und plötzlich bist du verrückt
© Zorro Film © 24 Bilder

Kritik: Mollath - und plötzlich bist du verrückt (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seit seiner Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie bis zum Wiederaufnahmeverfahren haben die beiden jungen Filmemacherinnen Annika Blendl und Leonie Stadl Gustl Mollath mit der Kamera begleitet. Ihr Dokumentarfilm über diese Zeit zeigt sich dabei vor allem am Protagonisten selbst interessiert und blendet vieles aus, was den juristischen Fall so komplex und skandalös macht. Etwas Vorwissen ist für das Kinopublikum also von Vorteil, denn statt breiter Aufklärung versteht sich "Mollath" in erster Linie als Porträt einer umstrittenen Figur der jüngeren Zeitgeschichte.

Während Mollaths damalige Ehefrau Petra aus eigenem Wunsch im Film nicht zu Wort kommt, so ist Blendl und Stadl dennoch eine vielseitige, geradezu schillernde Dokumentation gelungen, die bei aller persönlichen Nähe zu Mollath diesen jedoch nie verklärt und durchaus kritisch auf ihn blickt. Dabei sind es weniger Gegenstimmen, etwa in Form der Spiegel-Journalistin Beate Lakotta, die das stellenweise von der Öffentlichkeit recht einseitig gezeichnete Bild Mollaths ins Wanken bringen als vielmehr der Titelheld selber. Denn die Grenzen zwischen einem engagierten Idealisten und einem obsessiven Verschwörungstheoretiker lässt Mollath selbst immer wieder in seinen Monologen verschwimmen und stellt damit zugleich auch unhinterfragte Normalitätsbegriffe zur Debatte.

Meist nüchtern, stellenweise aber durch eine an Essayfilme erinnernde Poetik und künstlerische Schwarzweiß-Sequenzen aufgebrochen, folgt der Film seinem eigenwilligen Protagonisten und nimmt dessen Schicksal zum Anlass, über blindes Vertrauen, gesunden Menschenverstand und mediale Meinungsmache zu sinnieren. Während einige Beobachtungen zu sehr an der Oberfläche verharren, so gelingen den Filmemacherinnen doch immer wieder entlarvende Einblicke sowie subtile Spitzen.

Fazit: Während der skandalöse Justizfall um den Protagonisten recht oberflächlich beleuchtet wird, so ist Annika Blendl und Leonie Stadtl doch ein schillerndes Porträt Gustl Mollaths gelungen, das Fragen nach Normalität, gesundem Menschenverstand und medialer Meinungsmache aufwirft.





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