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Kritik: Zazy (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Zazy" liefert der Filmemacher M.X. Oberg einen einnehmenden Mix aus Drama und Thriller. Wie schon in seinem in Tokio angesiedelten Mystery-Werk "Stratosphere Girl" (2004) gelingt es dem Drehbuchautor und Regisseur, eine reizvolle Atmosphäre zu erzeugen und geschickt mit kinematografischen Mitteln zu spielen: Einige Szenen werden etwa so montiert, dass einzelne Momente vorweggenommen oder ausgespart werden, wodurch es beim Zusehen immer wieder zu kleinen Irritationen kommt. Obendrein findet Oberg mit seinem Kameramann Ralf M. Mendle äußerst berückende Bilder – beispielsweise von der anfänglichen Berglandschaft am Gardasee oder später von dem luxuriösen Haus in Nordrhein-Westfalen, in welchem der (erfolg-)reiche TV-Entertainer Maximilian mit seiner Frau Marianna lebt. Stilvoll werden die trügerischen Idyllen der Natur oder des gehobenen Bürgertums festgehalten.

Die titelgebende Protagonistin wird von der Jungschauspielerin Ruby O. Fee ("Als wir träumten") ambivalent interpretiert: Mal wirkt Zazy naiv und geradezu unbeholfen, mal zeigt sich in ihrem Verhalten sowie in ihren Blicken und Gesten eine extreme Durchtriebenheit und Dreistigkeit. Fee kann sowohl Zazys Unzufriedenheit mit der Schneiderinnenlehre als auch den diffusen Wunsch, durch "irgendwas beim Fernsehen" zu schnellem Ruhm zu gelangen, glaubhaft vermitteln. Wie Zazy die verheiratete Marianna zu Beginn beinahe beiläufig und doch ganz unmissverständlich erpresst, wird clever erzählt. Im weiteren Verlauf leidet die Handlungslogik gelegentlich – was nicht zuletzt an der überzogen-psychopathischen Zeichnung von Zazys Freund Tomek liegt. Dieser wird von Paul Boche ("Uns geht es gut") zwar überaus ausdrucksstark verkörpert; allerdings mangelt es der hedonistisch-unberechenbaren Figur an einem Hintergrund, um als weiterer Antagonist im Geschehen vollauf überzeugen zu können.

Dass Oberg sich auf Genre-Motive einlässt und lustvoll mit diesen jongliert und dass er einen satirisch-bösen Blick auf das TV-Business wirft, in welchem nur zu zählen scheint, wen man kennt (und nicht etwa, was man kann), ist dennoch begrüßenswert. "Zazy" bietet edel bebilderte, herrlich fiese Unterhaltung – wovon es in Deutschland gern noch mehr geben darf.

Fazit: Ein stilbewusst gestaltetes Thrillerdrama mit interessanter Hauptfigur, das im zweiten Teil der Geschichte Logikschwächen aufweist. Ruby O. Fee glänzt in ihrer bis dato besten Performance.




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