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It Follows
It Follows
© Weltkino Filmverleih

Kritik: It Follows (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"It Follows" gehört zu den Horrorfilmen, die in den letzten Jahren am meisten Aufsehen erregt haben. Die amerikanische Independent-Produktion ist ein kleines Meisterwerk - allerdings erst auf den zweiten Blick. Der Zuschauer muss sich zuerst auf die subtil eigene Welt einlassen, die der Jungregisseur David Robert Mitchell in seinem zweiten Kinofilm kreiert. Bei einer oberflächlicheren Betrachtungsweise wirkt der Film unter Umständen eher wie ein Teenie-Horror von der Stange, der zwar durch seine Optik und Musik besticht, dem es jedoch an richtigen Drive mangelt. Doch das leicht verschleppte Tempo gehört zu den Mitteln, die der Filmemacher ganz bewusst einsetzt, um eine Welt zu erschaffen, die unserer ähnelt, jedoch nicht ganz mit ihr identisch ist. Mitchell: "Es sollte natürlich sein, aber fast schon übernatürlich. Ein wenig verhaltender und weicher, als die Wirklichkeit."

"It Follows" besticht zunächst durch seine starke Prämisse: Sich etwas namenlos Böses durch Sex einzufangen, das man nur durch Sex weitergeben kann, das jedoch selbst dann noch wieder zu einem zurückkehren kann, ist eine durch und durch furchteinflößende Vorstellung. An dieser Stelle zeigt sich bereits, wie intelligent Mitchell mit den Klischees amerikanischer Teenage-Horrorfilme jongliert. Gewöhnlich sind es dort die "Untugendhaften", die sich solch schlimmer Vergehen, wie dem Konsum illegaler Substanzen und vorehelichem Sex schuldig machen, die zuerst dran glauben müssen. Am Ende bleibt das "final Girl", das durch jungfräuliche Unschuld gekennzeichnet ist. In "It Follows" ist es dahingegen so, dass sich Jay zwar bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr mit dem Bösen ansteckt, jedoch zu sensibel ist, um den Virus einfach durch Sex an den Erstbesten weiterzugeben. - Jay ist gefährdet, weil sie keine Lust auf schnellen Sex hat!

Dabei ist die Handlung nicht das Wichtigste bei diesem Film. Ein mal dumpf brummender, mal melodiöser Elektro-Score lässt Erinnerungen an das Kino der 80er - beispielsweise an die Filme John Carpenters - aufkommen. Hinzu kommt eine starke visuelle Stilisierung, die an das italienische Genrekino der 70er - insbesondere am den Giallo - erinnert. Die sorgfältig durchkomponierten Bildern erzeugen in Verbindung mit der für einen Horrorfilm eher ungewöhnlichen warmen Farbgebung für eine Stimmung angenehmer Gediegenheit. Die Kombination von Bild und Musik schafft eine Atmosphäre leicht traumhafter Entrücktheit, die "It Follows" seiner profanen Herkunft enthebt und in ein zeitloses Reich hoher Genrefilmkunst trägt. Dieser Wille Mitschells bewusst über das rein Funktionale hinauszugehen zeigt sich an Stellen filmischen Exzesses, die in einem gewöhnlichen Horrorfilm eher wie Fehler wirken würden. In "It Follows" gibt es beispielsweise ein Bild, wo sich ein ganzes Schwimmbecken mit dunkelroten Blutschlieren füllt, das innerhalb der Handlung nicht ganz schlüssig ist, das jedoch von umso größere Eindringlichkeit besitzt. - "It Follows" hat das Zeug zu einem kleinen Klassiker.

Fazit: "It Follows" ist ein ungewöhnlich gelungener Teenie-Horrorfilm, der durch seine starke Verbindung von künstlerischer Kameraführung und einem bedrohlich dröhnendem 80er-Synthie-Soundtrack eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt.




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