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Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt
Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt
© Splendid Film © Tobis Film

Kritik: Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Form spiegelt den Inhalt: Als Florence (Marina Foïs) in der Silvesternacht zur Jahrtausendwende einen Streit mit ihrem Freund Vincent (Laurent Lafitte) anzettelt, steht die Kamera nicht mehr still. Er, der brave Streber, will lieber lernen als feiern. Sie, der wilde Freigeist, entreißt ihm kurzerhand den Laptop. Während der Verfolgungsjagd durch das Studentenwohnheim geht so manche Flasche und schließlich auch der tragbare Computer zu Bruch. Das Publikum rast in nur einer einzigen Einstellung mit den beiden durch die Flure – und begreift sofort: Bei diesem Paar ziehen sich die Gegensätze an, stoßen sich wieder ab und sorgen dafür, dass die Beziehung nicht stillsteht.

Dann spult der Film 15 Jahre vor. Vom Schwung aus Studententagen ist nicht mehr viel geblieben. Das Ehepaar bewältigt auch kleine, selbst verschuldete Alltagsturbulenzen mit größter Ruhe. Im Gegensatz zu ihren drei aufmüpfigen Kindern sind Florence und Vincent in ihren Routinen geradezu erstarrt. Ihre Scheidung ist nur konsequent. Erst als der Streit ums Sorgerecht losbricht, kommt wieder Bewegung in ihre Beziehung.

Martin Bourboulons Komödie lebt davon, dass sie die klassischen Rollenbilder von Beginn an unterläuft. In "Mama gegen Papa" sind die Kinder stets ein wenig erwachsener als ihre Eltern und die Eltern ein gutes Stück infantiler als der eigene Nachwuchs. Das richtige Maß geht Florence und Vincent in ihrer Erziehung völlig ab. Ihr Stil ist antiautoritär und schonungslos offen. Ein Umstand, den die drei Kinder ein ums andere Mal mit trockenem Sarkasmus und die Zuschauer mit viel Gelächter quittieren. Da wird die anstehende Scheidung dann schon einmal verkündet, als handle es sich um eine familiäre Randnotiz. Später, als der Streit um das Sorgerecht seinen Höhepunkt erreicht, sitzt der Vater dann mit seiner zwölfjährigen Tochter in einer Stripteasebar, oder die Mutter macht sich während der Geburtstagsparty ihres Jüngsten als Fee verkleidet zum Gespött der Gäste.

"Mama gegen Papa" zeigt eine Familie mit all ihren Mängeln. Das ist erfrischend und überzeugend – nicht zuletzt, weil alle Familienmitglieder realistisch gezeichnet sind. Dass sich die Zuschauer ob der Gemeinheiten nicht angewidert von den Eltern abwenden, ist das große Verdienst von Marina Foïs und Laurent Lafitte. Selbst als Rabeneltern bleiben sie sympathisch. Schließlich sind Florence und Vincent nur zwei Erwachsene, die nie ganz erwachsen geworden sind, und die in ihrem Wetteifer zu Kindsköpfen werden. Was ihre Kinder wiederum dazu zwingt, sich endlich einmal wie Erwachsene zu verhalten.

Regisseur Martin Bourboulon inszeniert das als Anarcho-Komödie, die mehr den Gesetzen der Eskalation als denen der Logik folgt. Wenn sich die Eltern darin überbieten, sich bei ihren Kindern unbeliebt zu machen, ist das Normalmaß bereits früh überschritten. (Zotig oder eklig wird es dennoch nicht.)
Damit steht und fällt diese Komödie aber auch. Denn wem es übel aufstößt, dass hier Erwachsene Gemeinheiten gegen Kinder richten, hat nicht viel zu Lachen. Alle anderen werden köstlich unterhalten.

Fazit: Schwungvolle Komödie, in der zwei Eltern auf Kosten ihrer Kinder einen etwas anderen Scheidungskrieg ausfechten. Wer auf rationales Verhalten und Logik setzt, ist hier fehl am Platz. Wer (auch) am Schaden anderer Freude hat und dort lachen kann, wo er sich eigentlich fremdschämen sollte, ist hier genau richtig.





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