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Das Dunkle Gen
Das Dunkle Gen
© Real Fiction

Kritik: Das Dunkle Gen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Das dunkle Gen" von Miriam Jakobs und Gerhard Schick widmet sich dem Thema "Depression" – und damit der am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankung in Deutschland, an welcher circa fünf Prozent der Bevölkerung zu leiden haben. Der gewählte Zugang zu diesem Sujet ist äußerst spannend – denn durch den Protagonisten Frank Schauder, welcher Mediziner und zugleich Betroffener ist, findet sowohl eine naturwissenschaftlich-rationale als auch eine individuell-emotionale Annäherung und Auseinandersetzung mit dem Gegenstand des Films statt. Der Wunsch, die Ursachen der Depression zu ergründen, wird durch Schauders Doppelmotivation – also die berufliche Wissbegier auf der einen Seite und das persönliche Begreifen-Wollen des eigenen Zustandes auf der anderen Seite – umso dringlicher.

In den erklärenden Passagen, in welchen die von Schauder aufgesuchten Genetik-Expert_innen zu Wort kommen, droht "Das dunkle Gen" zuweilen, wie ein Lehrfilm zu wirken – zumal sich einige Ausführungen (etwa zum Alterungsprozess) allzu sehr vom Kern der Sache entfernen. Dass man sich dennoch im Großen und Ganzen nicht wie im Hör-, sondern wie im Kinosaal fühlt, ist zum einen den gelungenen Animationen zu verdanken, die hier zum Einsatz kommen – so wird beispielsweise die Serotonin-Aktivität filmisch sehr eindrücklich gezeigt. Zum anderen ist Schauder ein bemerkenswert guter Interviewer, der die Forscher_innen auch mit philosophischen Fragen konfrontiert. Eine reizvolle Ergänzung zu den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ist der Einblick in den künstlerischen Umgang mit Genetik – etwa die Umsetzung der DNA in Musik durch die Komponistin Deirdre Gribbin.

Die stärksten Momente des Werks von Jakobs und Schick sind aber ohne Zweifel die, die sich mit Schauders individuellen Erfahrungen befassen. Wenn Schauder seine Erlebnisse per Voice-Over in Worte fasst ("wie die Moleküle anfangen zu toben", ein "Gewitter von Nervenimpulsen" im Gehirn beginnt und ein Tornado aus hervorgeholten Erinnerungen "durch die Seelenlandschaft fegt"), wird dies den Zuschauer_innen durch Schwarzweiß-Animationen visuell überzeugend vermittelt. Schauder spricht erstaunlich offen – auch über seine Schuldgefühle gegenüber seinem Sohn Leonard (welcher bei der Mutter in einer anderen Stadt wohnt) und über seine Angst, dem Jungen die Krankheit womöglich vererbt zu haben. Wenn Schauder bei seiner Geburtstagsfeier mit seinen Freund_innen das Für und Wider eines Erbgut-Tests diskutiert, ist diese Runde deutlich interessanter als die letztendlichen Ergebnisse des Tests, die an späterer Stelle eintreffen.

Fazit: Jakobs und Schick haben einen idealen Protagonisten für ihren Dokumentarfilm gefunden – und einen guten Weg, die Welt der Gene zu bebildern. Trotz vereinzelter Längen ein sehenswertes Werk.





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