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Kritik: Liebe Halal (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wie der Titel der Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Assad Fouladkar verrät, erkundet sie spielerisch die Vereinbarkeit romantischer Leidenschaft mit muslimischen Sitten. Die drei Paare gehören zur islamischen Bevölkerungsgruppe Beiruts, der Heimatstadt des Filmemachers. Die episodische Struktur und die Liebesthematik wecken Erinnerungen an den Frauenfilm "Caramel" von Nadine Labaki aus dem Jahr 2007. Aber Fouladkar versteht offenbar nicht viel von Frauen und ist sich ziemlich im Unklaren darüber, wie viel Emanzipation noch als sittsam durchgehen kann.

Das Hauptpaar Awatef und Salim plagt sich mit Problemen, die in vielen Ehen auftauchen: Sie ist gestresst vom Alltag mit Haushalt und Kindern und hat abends keine Lust auf Sex. Er hingegen wird als stets liebeshungrig dargestellt und damit schon praktisch karikiert. Offenbar darf der Mann sexuell keinesfalls frustriert werden, denn Awatef glaubt, sie müsse ihm eine Ersatzfrau besorgen, wenn sie ihre Ruhe haben will. Doch damit fangen ihre Probleme erst an. Selbst schuld, wenn sie ihr Familienglück nicht zu schätzen weiß. Indem der Film solche Schlüsse nahelegt, entpuppt er sich als schrecklich bieder und altbacken. Sein Frauenbild ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, so dass man sich direkt freut, wenn er seinen Protagonistinnen auch mal ein bisschen Aufmüpfigkeit gönnt. Zum Beispiel der jungen Batoul, die etwas länger braucht, um sich von ihrem unbeherrschten, eifersüchtigen Bräutigam zu lösen. Ihr steht die islamische Regel bei, dass eine Ehe praktisch beendet ist, wenn der Mann die Frau dreimal verstößt. Und Loubna bekommt von einer christlichen Kollegin zu hören, dass der muslimische Glaube ihr nach der Scheidung noch eine zweite Chance gebe, die Liebe zu finden. Offenbar liegt Fouladkar einiges daran, den Islam als durchaus liberal und frauenfreundlich darzustellen. Das nützt Loubna aber nicht viel, denn ihre Freude am Singledasein trüben zwei Dinge: Nicht nur die Mutter setzt sie unter Druck, wieder zu ihr zu ziehen, weil eine junge Frau nicht einfach allein wohnen darf. Und Loubna selbst setzt ihre Hoffnungen sofort wieder auf einen Mann, der sie enttäuscht.

Wiederholt werden ganze Erzählstränge mittendrin gekappt, die Charaktere verschwinden oder haben plötzlich etwas anderes im Sinn. Nur die Entwicklung von Salim und Awatef wird explizit bis zum Schluss begleitet. Der häufige Blick über die große Stadt mit ihren hellbraunen Blocks schafft ebenso eine gewisse Atmosphäre wie die Beobachtung der vielen Alltagsszenen. Leider gängelt der Filmemacher seine Charaktere aber zu sehr mit seiner Absicht, erbaulich und witzig zugleich zu sein.

Fazit: Die romantische Komödie des libanesischen Filmemachers Assad Fouladkar erzählt von drei muslimischen Frauen in Nöten, ohne ihnen viel Emanzipation zu gönnen. Dieses unklare Frauenbild und der altbackene Humor schmälern das Vergnügen, das die authentischeren Momente bereiten.





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