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Kritik: Slow West (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Slow West" beginnt als romantisches Märchen um einen Jüngling, der sich im Wilden Westen auf die Suche nach seiner Geliebten macht. Doch bereits nach wenigen Szenen reitet der schmächtige Held Jay durch ein Schlachtfeld voller Leichen und muss bald schmerzvoll erkennen, dass sein naives Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist. Dem Titel gemäß entfaltet sich diese Erkenntnis in John Macleans Spielfilmdebüt erst nach und nach, langsam lässt der Regisseur und Drehbuchautor die Jungsfantasie seines Protagonisten ausbluten.

Begleitet von einem beinahe meditativen Soundtrack und vor der von Robbie Ryan großartig eingefangenen Kulisse Neuseelands inszeniert Maclean, der wohl vor allem als ehemaliges Mitglied der Beta Band bekannt ist, seinen lakonischen Neo-Western. Traumwandlerisch wandert er dabei zwischen den Genres, lässt mal eine melancholische Coming-of-Age-Story anklingen, irritiert mit absurden Gewaltausbrüchen oder erzählt mit viel schwarzem Humor von den Gründungsmythen der USA.

Technisch ist das mehr als solide und mit Michael Fassbender zudem hochkarätig besetzt. Nach unterhaltsamen und bei aller Langsamkeit doch recht kurzweiligen 84 Minuten bleibt dennoch das Gefühl, das hier noch mehr möglich gewesen wäre: Die Figurenzeichnung könnte ebenso wie die postkoloniale Reflexion von Western-Klischees weitaus tiefer dringen, als sie es hier tun, und die Stimmung noch dichter sein.

Fazit: John Macleans lakonischer Neo-Western ist ein erstaunlich stilsicheres und kurzweiliges Erstlingswerk, das naive Jungsfantasien von Cowboys und Indianern langsam und erbarmungslos ausbluten lässt.





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