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Lichtgestalten
Lichtgestalten
© missingFilms

Kritik: Lichtgestalten (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Lichtgestalten" legt Christian Moris Müller acht Jahre nach seinem preisgekrönten Debüt "Vier Fenster" (2006) seinen zweiten Kinofilm vor. Müller selbst sagt, der Film sei seine Auseinandersetzung damit, dass sein eigener Vater vor 20 Jahren sein Leben "noch einmal auf Null gesetzt" habe. Aber die große Sinnkrise junger Kreativer in Berlin in "Lichtgestalten", die ihren "radikalen Neubeginn" selbst filmisch dokumentieren, lässt vermuten, dass Müller hier zu einem Teil auch eine ganz persönliche Krise verarbeitet hat. In jedem Fall ist das Drama mit experimentellen Ansätzen nicht nur eine doppelbödige, sondern zudem ebenfalls eine recht zwiespältige Angelegenheit.

Die besten Freunde von Katharina und Steffen sind ein schwules Paar ist, das laut Steffen, "mehr hetero, als die Heteros" ist. Wenn die beiden Pärchen sich zu einem gemütlichen Abend treffen, tauschen sie Plattitüden aus, wie "Berlin hat alles. New York ist vorbei. Das war in den 80er-Jahren". Die große innere Leere, die sich in diesem Leben auftut, ist somit gut nachvollziehbar. Das Problem ist, dass ihr "radikaler Neubeginn" von Anbeginn ebenso leer und wie eine reine Pose wirkt, wie die gediegene Langeweile zuvor. Katharina und Steffen erscheinen fast wie ein Affenpärchen im Zoo, das mal diesen und mal jenen Schabernack treibt, das dabei jedoch niemals seinen Käfig verlässt.

Dabei ist zumindest auf der rein filmischen Ebene in "Lichtgestalten" so einiges los. Christian Moris Müller überrascht immer wieder mit neuen kreativen visuellen Einfällen und Spielereien. Die Bilder der Zerstörung sind mal poetisch, mal surreal und zu jeder Zeit perfekt eingefangen. Auch die Schauspieler machen ihre Sachen gut. Insbesondere Max Riemelt ("Im Angesicht des Verbrechens") wirkt absolut authentisch. All dies ändert jedoch nichts daran, dass die Intention des Films ähnlich nebulös wirkt, wie der Film im Film. Man meint in "Lichtgestalten" einem Filmemacher, dem möglicherweise ein wenig der Sinn an seinem eigenen Tun abhanden gekommen ist, bei seiner eigenen Nabelschau zu beobachten. Interessant ist das schon. Aber von Freiheit erfährt man dabei wenig.

Fazit: "Lichtgestalten" ist eine gestalterisch gelungene Nabelschau eines jungen Kreativen, der junge Kreative in der großen Sinnkrise sich selbst filmen lässt.





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